
Brick
USA 2005
[R: Rian Johnson; D: Joseph Gordon-Levitt, Emilie de Ravin, Lukas Haas, Nora Zehetner; Autobahn / Senator / Universum]
28.02.2007, 15:40, Text:
Calle Claus
Das Regie-Debüt von Rian Johnson ist einer dieser Filme, dessen DVD-Release man wie ein Kind entgegengefiebert hat, weil man ihn immer und immer wieder anschauen will, so sehr strotzt er vor funkelnden Dialogen und unvergesslichen Figuren. Eine verwegene Idee, mit bescheidenen finanziellen Mitteln konsequent durchgezogen, durchgehend brillant besetzt – schon hat man einen der Kino-Höhepunkte des Jahres 2006.
“Brick” zeigt einen Haufen Charaktere, die sich wie extrem zynische, abgebrühte Erwachsene gebärden, aber aussehen wie pubertierende halbe Portionen – Humphrey Bogart auf der Highschool. Hauptfigur Brendan Frye (Joseph Gordon-Levitt) entdeckt zu Anfang die Leiche seiner Ex-Freundin Emily (Emilie de Ravin) in einem Kanalisationskanal. Kurz zuvor hatte sie ihm am Telefon panisch mitgeteilt, dass ein gewisser “Pin” ihr nach dem Leben trachte. Brendan setzt nun alles daran, Licht ins Dunkel ihres Todes zu bringen, und beginnt im Stile Philip Marlowes an seiner Schule zu ermitteln. Dabei dringt er immer tiefer in eine Parallelwelt aus wilden Partys, unnahbaren schönen Frauen und ominösen Drogendeals.
Brendan ist trotz nerdiger Brille und suboptimaler Frisur stets die Coolness selbst, hat aber auch durchgängig etwas Verzweifeltes, Getriebenes an sich. Kein Wunder, muss er doch im Laufe des Films so einiges an Schlägen einstecken. Sein finsterer Gegenspieler Pin (Lukas Haas) führt im Souterrain seines Elternhauses ein Schreckensregiment, leitet Drogendeals in die Wege und peinigt dort auch schon mal Gefangene. Wenn der kleine Hunger kommt, geht er einfach die Treppe rauf, wo seine Mutter ihm sogleich einen Snack hinstellt. Manchmal sitzen seine Opfer in einer kurzen Verhör-Pause sogar mit am elterlichen Küchentisch, doch Mutti scheint es nicht zu merken. Das mag auf dem Papier wie Comedy wirken, in Wahrheit unterstützt es aber das Gesamtkonzept von “Brick”, die Highschool und ihre Peripherie als einen hermetisch abgeschlossenen Lebensraum zu zeigen, zu dem Außenstehende keinerlei Zugang haben. Johnson macht nie den Fehler, seinen Film zur bloßen Genre-Parodie zu degradieren. Seine Figuren sind stets von einem tiefen Ernst durchzogen.
Fans dieses Klassikers dürfen sich auf interessante Extras wie einen wahrlich tiefschürfenden Audiokommentar des Regisseurs, ein Making-of, entfallene und erweiterte Szenen sowie einen Bericht vom Casting freuen. “Brick” ist der absonderlichste Film Noir seit Niki Lists “Müllers Büro” vor 20 Jahren.
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