Borat & Ali G – Borat Edition

USA 2006

[R: Larry Charles; D: Sacha Baron Cohen, Pamela Anderson, Ken Davitian; Fox & Kurt Media / Ascot Elite]

28.02.2007, 15:35, Text: Sascha Seiler

Es ist ja mittlerweile nicht mehr nötig, den kasachischen Störenfried Borat einem breiteren Publikum vorzustellen, zu groß war die öffentliche Resonanz auf den ersten Film des Schnauzbart- und Badeanzugfetischisten. Die Klagewelle erreicht Borat-Darsteller Cohen just dieser Tage – mit dabei neben einigen sich verarscht fühlenden Amerikanern auch das rumänische Dorf, das als Borats Heimat herhalten musste, dessen Einwohner jetzt behaupten, man habe ihnen gesagt, es werde eine Dokumentation gedreht. Was ja irgendwie auch der Wahrheit entsprach. Und nicht zu vergessen, dass Borat letztlich auch für die drohende Scheidung der Ehe von Pamela Anderson und Kid Rock verantwortlich sein soll, hat doch Rock bei einer Privatvorführung des Films lautstark verlauten lassen, was für eine Schlampe seine Gattin doch sei. Pam hat ihn daraufhin sofort aus ihrer Villa geschmissen. Borat also die Wurzel allen Übels? Lustig wird’s ja dann, wenn etwa der amerikanische Autoverkäufer, der im Film mit keiner Wimper zuckt, als Borat ihn fragt, ob das Auto dazu geeignet sei, Zigeuner über den Haufen zu fahren, nun sagt, er sei hinters Licht geführt worden. Er sei eben davon ausgegangen, dass die da drüben nicht so zivilisiert seien wie die Amerikaner und aufgrund ihrer Weltunkenntnis eben Borat-mäßige Fragen stellten.



Dass es allerdings so weit kommen würde, dass Cohen gar für den Golden Globe als bester Darsteller nominiert würde, ist dann doch erstaunlich. Zum Oscar hat es zwar nicht mehr gereicht, aber der größte Gag bei der Bekanntgabe der Nominierungen war sicherlich, dass “Borat” für das beste adaptierte Drehbuch vorgeschlagen worden ist. Adaptiert aus der amerikanischen Realität? Die Frage stellt sich automatisch, aber die Wahrheit ist wohl ganz banal die, dass der Film ja auf einer Figur aus Cohens TV-Serie “Da Ali G Show” basiert und daher wohl streng gesehen nicht extra für den Film erfunden werden musste.
Womit wir beim zweiten Thema wären, einer Auswahl aus dem Werk von Herrn G, die genau wie “Borat” dieser Tage (als “Borat Edition” mit Schwerpunkt auf den Auftritten des Schnauzbart-Trägers) auf DVD erscheint. Für Engländer besonders witzig war von Anfang an, dass Ali G aus Staines kommt, einem Mittelklasse-Vorort von London außerhalb der M25, in dem es wohl so öde zugeht, dass er zum Synonym für britische Suburb-Langeweile geworden ist. Ali G jedoch spricht stets von der gefährlichen Hood, und sein legendärer Spruch “Is it because me’s black?” ist natürlich vor allem deswegen witzig, weil G alles andere als “black” ist. Dennoch muss man beim Vergleich der Figuren feststellen, dass Ali G einem, anders als Borat, nach einer Weile ziemlich auf den Geist geht, was natürlich auch an der zeitweiligen Omnipräsenz seiner deutschen Imitatoren Erkan und Stefan bzw. den noch unwitzigeren Mundstuhl liegen mag. Und doch muss man eine große Empfehlung aussprechen und zusammenfassend sagen: “Is naaaice!”



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aus Intro #147 (März 2007)
 
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