Block Party

USA 2005

[R: Michel Gondry; D: Dave Chappelle, Mos Def, Common, Erykah Badu, KanYe West; Kinowelt]

28.02.2007, 15:29, Text: Cay Clasen

Einer Einladung Dave Chappelles folgten an einem regnerischen Tag im September 2004 so ziemlich alle, die in der R’n’B-, Soul- und Conscious-HipHop-Szene Rang, Namen und geile Frisuren haben. Erwähnt werden müssen hier vor allem Erykah Badu, Mos Def, Common, Talib Kweli, KanYe West, John Legend, die extra wiedervereinten Fugees und The Roots. Mit der Kamera begleitet von Michel Gondry, der hier zugunsten einer grobkörnigen Dokumentation auf sämtliche skurrile Einfälle verzichtet, die man sonst von ihm erwarten mag, erlebte die Quincy Street, Ecke Downing Street in Brooklyn die größte Block Party, die sich jeder Zuschauer mit auch nur einem Funken Funk im Herzen erträumen könnte.
Chappelle hatte zuvor 50 Millionen Dollar offeriert bekommen, um seine erfolgreiche Show bei Comedy Central zu verlängern – Grund genug also, sollte man meinen, mal ordentlich ein paar Ballons aufzupusten und eine Party zu feiern. Dem Anlass angemessen, sollte dies nur eben die Party des Jahrzehnts werden.
Konzept und Montage von “Block Party” erinnern an “Wattstax”, eine 1972 vom Stax-Label initiierte afroamerikanische Antwort auf “Woodstock”, und den im Anschluss entstandenen gleichnamigen Dokumentarfilm. So wird kaum ein musikalischer Auftritt komplett gezeigt, sondern die Live-Aufnahmen mit Szenen diverser Vorbereitungen sowie Interviews vor und hinter der Bühne sprunghaft verwoben. Der Sehgenuss allerdings bleibt nicht auf der Strecke, vielmehr wird die Dynamik eines Vorhabens dieser Größenordnung deutlich und eng mit dem grundsympathischen Chappelle verknüpft.



Mit den Roots als feste und ebenso tight aufspielende Backing-Band rumpeln einem während der Konzertaufnahmen der Bass, die Bläser und die Drums um die Ohren und durch die Glieder, dass man sofort sämtliche in den Charts vorzufindenden Black-Music-Vertreter mit einer Kelle Funk in der Hand maßregeln möchte. Was hier über die Bühne geht, ist funky wie Sau, groovt an allen Ecken und Enden, hat Soul und Herz und bemüht zu keiner Zeit affektierte Posen oder Klischees. Es ist geradezu ein inneres Blumenpflücken, wenn die zuvor in Ohio eingeladene Central State University Marching Band die Straße herunterkommt und zusammen mit KanYe West eine Version von “Jesus Walks” in den Asphalt zimmert, als hätte sie nie was anderes gemacht. Kein Vergleich mehr zu den schüchternen Typen, die Chappelle kurz zuvor auf dem örtlichen Footballfeld angesprochen hatte ...
Die 50 Millionen Dollar übrigens hat Dave Chappelle letztlich überraschend ausgeschlagen und sich stattdessen vollkommen zurückgezogen – zunächst nach Südafrika, dann ins ländliche Ohio. Ein Umstand, der in Amerika monatelanges Rätselraten hervorrief und dessen Nachhall noch nicht verklungen ist. Was den (Film-) Zuschauern aber bleibt, ist eine elektrisierende Mischung aus Konzertfilm, Probeaufnahmen & Comedy-Einlagen, die selbst dem größten R’n’B-Muffel die Füße wippen lässt.



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