Bobby

USA 2006

[R: Emilio Estevez; D: William H. Macy, Helen Hunt, Freddy Rodriguez, Shia LaBeouf, Christian Slater; 08.03.]

28.02.2007, 12:42, Text: Calle Claus

Am 4. Juni 1968 standen die Chancen gut, dass ein visionärer Erneuerer der nächste amerikanische Präsident werden könnte. Senator Robert F. Kennedy, kurz Bobby, verkündete auf der Wahlparty der Demokraten im Ballsaal des Hotel Ambassador in L.A. stolz seine Kandidatur. Ihm schwebte vor, dass sich Amerika auf seine alten Grundwerte besinnen und ein Hort von Toleranz und Miteinander werden sollte. Den immer mehr Tote fordernden Vietnamkrieg wollte er sofort beenden. Noch am selben Abend fiel er, wie fünf Jahre zuvor sein weitaus berühmterer Bruder, einem Mordanschlag zum Opfer.
Emilio Estevez hat dieser tragischen Figur nun ein filmisches Denkmal gesetzt, das zu einem nicht unerheblichen Teil aus Originalaufnahmen Kennedys besteht, über die Ausschnitte seiner Reden gelegt wurden. Wenn man seine emphatischen Worte hört, ahnt man, warum er sogar unter der schwarzen Bevölkerung nach der Ermordung Martin Luther Kings als letzter Hoffnungsträger galt. So weit, so gut. Doch dann sind da noch die 22 fiktiven Figuren, die Estevez an Kennedys Schicksalstag im Ambassador versammelt. Schon imposant, wer sich da alles auf die Füße tritt: Sharon Stone als prollige Friseuse, Demi Moore als alkoholkranke Diva, Ashton Kutcher als Hotel-interner LSD-Verticker, Lindsay Lohan und Elijah Wood als Brautpaar, Laurence Fishburne als Küchenchef, William H. Macy als sexuell marodierender Hotelchef und schließlich Anthony Hopkins und Harry Belafonte, die ungefähr den Part spielen, den Waldorf & Statler einst in der “Muppet Show” innehatten. Um nur einige zu nennen ...
Ganz im Sinne von Altmans “Gosford Park” ist das ehrwürdige Haus Metapher für den Staat selbst – oben flanieren die Betuchten, unten in der Küche fluchen illegale Einwanderer über ihre Doppelschichten, und nur manchmal, etwa, wenn ein Baseballspiel im Radio übertragen wird, finden beide Klassen für kurze Zeit einen gemeinsamen Nenner. Leider bleiben die Figuren allesamt recht blass und schablonenhaft, schon allein, weil es so viele sind, dass der Film es zeitlich gar nicht schaffen kann, alle zu runden Charakteren zu formen. Wenn ihnen dann zu allem Überfluss auch noch besonders schwülstige Sätze in den Mund gelegt werden, geht es gänzlich in die Hose.
Erst als am Ende die Schüsse durch die Hotelflure hallen, stellt sich so etwas wie Anteilnahme mit den Figuren ein. So bleibt Senator Kennedy der alleinige Star dieses Films, und seine Worte hallen noch lange nach. Und das war ja wohl auch der Sinn der Übung.




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