
Saw III
USA 2006
[R: Darren Lynn Bousman; D: John Cramer, Shawnee Smith, Donnie Wahlberg; 01.02.]
29.01.2007, 06:00, Text:
linus volkmann
Unnötige Operationen ohne Betäubung und Krankenschein. Längst hat der aktuelle Horrorfilm-Standard keine Ähnlichkeit mehr mit augenzwinkernden High-School-Massakern à la “Scream”. Wo einst der Grusel durch das Ausblenden eines vorsätzlich herbeigeführten Todesfalls transportiert wurde, findet in dieser Ex-Leerstelle nun mitunter das komplette Genre statt. Folter, Folter, Folter! Die bildhafte Konkurrenz von Echtzeit-Horror wie Abu Greibh stachelte die Fiktion in ungeahnte Explikationen – und bleibt dabei humorlos bar jeder helping hand der Splatterübertreibung. Die “Saw”-Serie, “Hostel”, “Wolf Creek”, die Filme von Rob Zombie – der dezidierte Schreckenstrend hat sich bereits im Mainstream (wie in der Hoden-Folter-Szene des neuen James Bond) niedergeschlagen. Was Sequels wie “Saw III” aber nicht mehr pusht, sondern bloß unter Druck setzt, noch deutlicher werden zu müssen. Geht natürlich nicht. Aber fast rührend, dass es versucht wird. So wirkt “Saw III” erstmal wie ein Episodenfilm, da er mit drei separaten, nicht inhaltstragenden Entbeinungs-Celebrations eröffnet. Die Selbstabschaffung des neuen Genre-Hypes wird in all den berstenden Leibern und minutenlangen Todesschreien schon mitgeliefert: Denn physischer Schmerz und Ekel, selbst Urängste sind nicht beliebig steigerbar, schon gar nicht von derartigen Fließband-Filmen. Gekettet an seine identitätsstiftende Humorlosigkeit geht “Saw III” dabei besonders schnell unter. Allerdings: In einem Punkt wird das alles seinem Ziel gerecht. Es ist nämlich eine außerordentliche Quälerei.
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