The Fountain

USA 2006

[R: Darren Aronofsky; D: Hugh Jackman, Rachel Weisz, Ellen Burstyn; 18.01.]

29.01.2007, 06:00, Text: arno raffeiner

Wenn sich die Bilder Ehrfurcht heischend im quasi Unbeschreibbaren verlieren, fängt man am besten beim Elementarsten an: Da ist ein Mann. Und da ist eine Frau. Conquistador Tomas, Wissenschaftler Tommy Creo und Schamane Tom (alle drei verkörpert von Hugh Jackman) sowie Königin Isabel und die todkranke Schriftstellerin Izzi Creo (beide: Rachel Weisz) sind fantastische Widergänger ihrer selbst. Vom finsteren Ende des Mittelalters bis in eine zeitentrückte Transzendenz stehen sie als Wiederholer von Geschichte, als stellvertretende, aber eben doch außerordentlich wichtige Glieder in der endlosen Kette von Leben und Tod.
The Fountain” ließe sich als visionärer Trip der Superlative beschreiben – kein Wunder, dass Darren Aronofsky nach “Requiem For A Dream” ganze sechs Jahre für seine Realisierung schuftete –, doch die Relationen zwischen ästhetischem und mythologischen Aufwand einerseits und Story und Erkenntnisgewinn andererseits wirken, gelinde gesagt, etwas verschoben. Vollkommen symbolüberladen häuft Aronofsky ein Gebirge an fantastischem Pathos an, dessen Ausläufer regelmäßig an die Grenze zur Lächerlichkeit stoßen (und sie gerne auch mal durchbrechen). Da ist z. B. das Bild vom Menschenmann, der sich seinen Schmerz ins eigene Fleisch tätowiert und als ewig Verdammter in einer Blase durch die Weiten des Alls schwebt, während die Menschenfrau ihr Schicksal, nämlich wegen eines Hirntumors allzu früh nach drüben zu gehen, freudig auf sich nimmt. Da ist das Bild vom Maya-Hohepriester, der dem Conquistador und weißen Übermenschen willfährig seine Kehle hinhält, auf dass der sie endlich zerfetzen möge – der Eroberer zögert nur kurz, schreitet dann aber umso kraftvoller zur Tat. Endlich hat er nun sein Bäumchen gefunden, er betrinkt sich am milchig-weißen Saft seines Lebensbaumes (= sein eigenes Sperma) und darf auch wieder wunderbar phallisch in den Ring der Königin (= die Frau selbst) hineinfahren. So geht das hundert Minuten lang. Metaphernverquast und mit mythologischen Verwirrungen aufgeladen bis zum Überdruss, drückt der Film letztendlich doch nur eines aus: Hilfe, ich hab so große Angst alleine!
The Fountain” ist ein schwer erträglicher Brocken von Film, der seinem Publikum eine von christlich bis hinduistisch stets korrekte Moral mit auf den Weg gibt: Das ewige Leben besteht gerade im Kreislauf aus Werden und Vergehen. Eine weitere, vom Regisseur wohl nicht unbedingt beabsichtigte Lektion lautet: Zum Glück gibt es nach “The Fountain” auch ein Jenseits des Kinosaals.





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