
Enron – The Smartest Guys In The Room
USA 2005
29.01.2007, 06:00, Text:
Lina Dinkla
In solider Talking-Heads-Machart aufgezogen, ist “Enron” zwar ästhetisch eher Durchschnittsware, doch was sich hier noch einmal chronologisch offenbart, ist vielmehr spannender Wirtschaftskrimi denn dröge Dokumentation.
Basierend auf dem Buch von Bethany McLean und Peter Elkind, schildert Gibney Aufstieg und Fall des US-Energiekonzerns. Die Geschichte des Unternehmens ist zwar nur eines der vielen New-Economy-Schicksale, doch in seiner Tragweite macht vor allem das menschliche Versagen ratlos. Mit nach wie vor unerklärbarer Blindheit und Blauäugigkeit von Politik, Aktionären und Investoren konnten Enrons Manager ungehindert Bilanzen fälschen, völlig überzogene Umsatzprognosen abgeben und Schulden ohne Ende machen. McLean war eine der ersten und wenigen, die Zweifel an dem rasanten Börsenerfolg des Konzerns äußerten. Sie recherchierte, rechnete und ahnte Böses. Dass die Stromkrise in Kalifornien nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern selbst ausgelöst wurde, um den eigenen Aktienkurs in die Höhe zu treiben, war nur die Spitze des Eisbergs. Pensionskassen wurden geplündert, Akten vernichtet, und zurück blieben zehntausende Mitarbeiter, die von heute auf morgen ohne jegliche Absicherung dastanden. Ein bitterböses Kapitel über die Auswüchse eines entfesselten Kapitalismus und einer völlig außer Kontrolle geratenen Deregulierung.
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