
Chanson D’Amour
F 2005
[R: Xavier Giannoli; D: Gérard Depardieu, Cécile de France, Mathieu Amalric, Christine Citti; 18.01.]
29.01.2007, 06:00, Text:
arno raffeiner
“Alain Moreau und sein Orchester” stand in großen Lettern da, wo jetzt eilig Anderes drüberplakatiert wird. Denn Alain Moreaus Stimme will nicht mehr. Der Chanteur de bal muss auf Wochen alle Konzerte absagen, verkriecht sich in seinem Bauernhaus und denkt an die schöne, junge Immobilienmaklerin Marion. Moreau wird alt. Er erträgt Auftritte in Restaurants und Altenheimen, muss sich beinahe für Karaoke hergeben. Doch er wird immer noch geliebt in der französischen Provinz um Clermont-Ferrand, wo sich die Tänzer und Tänzerinnen in Ballhäusern treffen, um sich zu Chansons ein wenig näher zu kommen, etwas Glück zu erleben. Auch Moreau ist diesem Glück hinterher, das aktuell eben Marion heißt. Er lässt sich von der Maklerin Haus nach Haus zeigen – ein durchschaubarer Vorwand, um sie immer wieder zu treffen, aber auch ein Zeichen seiner Verlorenheit.
Gérard Depardieu ist unübertrefflich in der Rolle des verblühenden Entertainers und des Schürzenjägers, der all sein Pulver längst verschossen hat. Er geht in den Chansons, die er alle selbst singt, geradezu auf. Alain Moreaus Seele erzählt durch die Auswahl seiner Lieder ganz unmittelbar das, was er in eigenen Worten nicht unbedingt zu sagen vermag. Aber schon wenige Blicke reichen aus, um die Unmöglichkeit dieser Liebe zu zeigen. Am Ende – unvermeidbares französisches Filmklischee – bekommt der alte Mann die junge Schöne natürlich trotzdem. Aber wer will schon Liebe aus Mitleid?
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