Pans Labyrinth

MEX/E/USA 2006

[R: Guillermo del Toro; D: Ivana Baquero, Ariadna Gil, Sergi López, Maribel Verdú, Doug Jones; 15.02.]

29.01.2007, 06:00, Text: Martin Riemann
[2 Kommentare]

Viele Märchen spielen im dunklen Wald. Pans Labyrinth spielt ausschließlich an diesem mythischen Ort, der wie kein zweiter dazu geeignet ist, die Untiefen der menschlichen Seele widerzuspiegeln. Der Wald in “Pans Labyrinth” wird bevölkert von uralten Fabelwesen, grauenerregenden Monstern und Faschisten. Passt da irgendwas nicht in die Reihe? Hier passt es.
Der Film spielt 1944 in Spanien, einem Land, in dem der Faschismus auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch lange nicht besiegt war. Wir erleben es durch die Augen der 11-jährigen Ofelia, die mit ihrer schwangeren Mutter in den Wald reist, um dort den Stiefvater des Mädchens aufzusuchen. Ofelia ist ein Kind mit einer ausgeprägten Fantasie, dem die Grenze zwischen Realität und Einbildung ständig verschwimmt. Aus gutem Grund, denn die Welt, in die sie ihre Mutter führt, ist von unerträglicher Grausamkeit geprägt – und zwar durch das Wirken jenes Stiefvaters, des Hauptmanns Vidal, der die Bevölkerung der Gegend mit sadistischer Gründlichkeit tyrannisiert. Ofelia und ihrer Mutter begegnet er mit distanzierter Kühle und Gefühllosigkeit. Natürlich zieht das Mädchen den Wald der bedrückenden Atmosphäre ihres neuen Heims vor und lernt ein unheimliches Fabelwesen kennen, das ihr offenbart, sie sei die verlorene Tochter eines unterirdischen Königs und müsse zu diesem zurückkehren.Diese zwei Realitätsebenen vermischt del Toro auf so subtile Weise, dass es die Entscheidung des Zuschauers bleibt, ob er hier einem düsteren Märchenfilm oder einem psychologischen Drama beiwohnt. Bemerkenswert ist, dass die Person des Stiefvaters nicht als reine Antagonistenrolle konzipiert ist, sondern dass del Toro diesem verabscheuenswürdigen Schurken fast so viel Raum wie Ofelia gibt, wodurch man ihm näherkommt als einem lieb ist. So kontrastiert der Film zwei Umgehensweisen mit dem eigenen Bewusstsein: Während Ofelia sich der eigenen Imagination hingibt und in eine Märchenwelt eintaucht, schafft Vidal, der alles Menschliche unterdrückt, eine irrationale, sadistische Realität und drängt sie der tatsächlichen Welt auf.Ein in seiner Tragik und in der Darstellung von Brutalität schwer verdaulicher Film, der das Phänomen des Faschismus’ auf die einzig adäquate Art behandelt: mit einem tiefem Verständnis für die Widersprüchlichkeit der menschlichen Psyche. Eine spannende und hervorragend besetzte Allegorie. Del Toros bisher bester Film.




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  • chuckie 28.02.2007 | 09:04:32

    wenn nicht grad der streber büsser schreibt, hat intro manchmal echt überraschend gute autoren bei den film-reviews. nicht so überbläht und nixcheckend wie oft die spex, stattdessen klar und sensibilisiert.

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