
Disco Dancer
IND 1983
[R: Babbar Subhash, D: Mithun Chakraborty, Kim, Kalpana Iyer, Om Puri; Rapid Eye Movies]
29.01.2007, 06:00, Text:
Susanne Pospischil
Die Welle, die 1977 mit “Saturday Night Fever” in Amerika losging, rollte auch über den Indischen Ozean und inspirierte sechs Jahre später den Regisseur Babbar Subhash zu dieser vergnüglichen Adaption. Die Kombination der Sparten Musik und Film, mit denen damals PolyGram und deren Tochterunternehmen im Westen Millionen einspielten, resultierte auf dem Subkontinent aber nicht aus einer entflammten Jugendbewegung, sondern war längst gute Tradition. So bleibt “Disco Dancer” allen Klischees und filmischen Mitteln Bollywoods treu: Es wird erobert, gesühnt, vergolten und natürlich viel getanzt und gesungen. Neuerdings aber unter der Discokugel zu heißen Beats und im fancy Outfit.
Es ist Sommer 1983, in den Slums von Bombay geht es dank eines aufgeweckten kleinen Jungen mit goldener Kehle und Showtalent lustig musikalisch zu. Anil singt aus vollem Herzen von einer besseren Welt, die den Selbstlosen gehört. Als der Straßenmusikant später in Begleitung seiner Mutter in reichen Wohngegenden unterwegs ist, wir er von einem kleinen Mädchen in den elterlichen Garten auf ein zuckersüßes Duett geladen. “My father told me to sing from the heart, not the throat”, verrät er noch, als es zur Schlüsselszene mit ihrem wutentbrannten, millionenschweren Vater kommt, der erst die versammelten Zaungäste mit Stockschlägen vertreibt, um dann auf die ahnungslose Mutter und ihren Sohn loszugehen. Rohe Gewalt gegen Kinder scheint zumindest im indischen Kino der 80er Jahre noch eine vertraute und realistische Maßnahme zu sein, so selbstverständlich wird sie hier eingesetzt. Der Konflikt ist deutlich gezeichnet, die schwächsten Glieder der Gesellschaft haben keine Rechte und sind chancenlos – wäre da nicht die Kraft der Musik und der Herzen. Der Junge ist fortan getrieben, das Ansehen seiner Mutter wiederherzustellen und möglichst schnell Ruhm zu erlangen. Mit Hilfe Krishnas, der tugendreinen Mutter und seinem Talent sollte ihm dies bis Filmende natürlich auch gelingen. Aus Anil wird Shootingstar Jimmy, der sich durch famose Tanzszenen (die zeitweise auch an Boney M. erinnern) und exzentrisch zur Schau getragene Gefühlswelten in alle Herzen tanzt. In der zweiten Hälfte zerfasert sich die Handlung in theatralischen Kampfszenen, die aber immer noch mit Elementen aus Slapstick und Special Effects amüsieren. Wer sich also für 135 Minuten in eine expressive Gesellschaft einfinden kann, der öffentliches Ansehen alles bedeutet, und beispielsweise eine Mutter verkraftet, die sich mit Leib und Seele ihrem Sohn opfert, wird mit wilden Choreografien und mitreißenden Showszenen in eine ergreifende Welt geladen – und zum Schluss auch noch mit der Aufklärung des Rätsels um eine kuriose “Gitarren-Phobie” belohnt.
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