
Das Fest des Ziegenbocks
E/GB 2005
[R: Luis Llosa; D: Isabella Rossellini, Tomas Milian, Shawn Elliot; 18.01.]
20.11.2006, 06:00, Text:
Sascha Seiler
Die Filmografie des Regisseurs Luis Llosa liest sich nicht gerade wie ein Bewerbungsschreiben für eine Literaturverfilmung eines zumindest auf den ersten Blick vielschichtigen Romans über die Grausamkeiten eines lateinamerikanischen Diktators aus der Perspektive eines seiner Opfer. Als der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa – einst Erfinder des “totalen Romans” und somit Vorreiter der lateinamerikanischen Postmoderne – nach einer Reihe immer banaler werdender, erotomaner Kitschromane vor ein paar Jahren einen dicken Wälzer über die Schreckensherrschaft Rafael Trujillos in der Dominikanischen Republik vorlegte, glaubte man fast an eine Renaissance von Llosas verloren geglaubter Erzählkunst. “Das Fest des Ziegenbocks” stellte sich aber als sensationslüsterner Pseudothriller heraus und eignet sich daher besser als gedacht für die Künste des Regisseurs (übrigens auch Cousin des Schriftstellers), dessen Highlights “Anaconda” und “The Specialist” heißen und der sich eigentlich schon in die Untiefen der mexikanischen Telenovela zurückgezogen hatte. Wer also subtiles Politkino im Sinne Costa-Gavras’ (dem hier etwas nachgeeifert wird) erwartet, sollte zu Hause bleiben. Zieht man jedoch in Betracht, dass Llosas Roman auch nicht mehr ist als gelungene Unterhaltung, die vorgibt, mehr zu sein, dann muss man Cousin Llosa attestieren, dass er den Film getreu der Vorlage inszeniert hat. Und immerhin Isabella Rossellini für die Hauptrolle gewinnen konnte.
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