
Eden
D/CH 2006
[R: Michael Hofmann; D: Charlotte Roche, Josef Ostendorf, Devid Striesow; 23.11.]
20.11.2006, 06:00, Text:
Sonja Eismann
Es tut wirklich weh, etwas Schlimmes über Charlotte Roche zu schreiben. Weil sie nämlich so sympathisch und unkonventionell ist, wie wir alle wissen. Aber während man sich bei der Ansicht ihres ersten Kinofilmes leise wimmernd im Plüsch hin und her wirft, fragt man sich, welcher fiese Intrigant sich in ihr Vertrauen geschleimt und sie zu dieser Rolle überredet hat, um sie fertigzumachen. Denn wirklich nichts an “Eden”, das man schnell für eine eher unattraktive Vorabend-Drehbuchpanne halten könnte, ist irgendwie stimmig: Roche spielt, bewusst “gegen den Typ” besetzt und dank ihrer charakteristisch leiernden Kleinmädchen-Stimme doch stets genau darauf zurückgeworfen, eine patente junge Mutti von einem voll süßen Trisomie21-Töchterchen, die in einem Kurort-Familienbetrieb als Kellnerin arbeitet. Dabei kommt sie einem voll dicken und verschrobenen Starkoch näher, der sie mit seiner Wahnsinns-Küche gourmerotisch verführt, was ihr die spießige Umwelt samt Animateur-Ehemann (einziger schauspielerischer Lichtblick, wie immer großartig: Devid Striesow) sehr übel nimmt. Dabei ist da doch gar nichts! Außer viel Fleisch-Gefresse, das der Dicke so brachial zubereitet, dass “Eden” in erster Linie als Horrorschocker für VegetarierInnen hängen bleibt. Am Ende gibt es dramatische Szenen, Gemeinheiten und so etwas wie eine Befreiung, und man hängt nicht nur ob der Schmalz triefenden “Message” komplett in den Seilen. Aber keine Sorge, Charlotte, wir werden dich rächen.
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