
Der Mann mit dem goldenen Arm
USA 1955
[R: Otto Preminger; D: Frank Sinatra, Kim Novak, Eleanor Parker; Koch Media]
20.11.2006, 06:00, Text:
Cay Clasen
[4 Kommentare]
Drogensucht im Film ist erwachsen geworden. Explizite Filme wie “Requiem For A Dream” oder etwa “Trainspotting” wurden zu Kultfilmen. Vor gut fünfzig Jahren sah dies noch ein wenig anders aus. So sorgte der österreichisch-stämmige Regisseur Otto Preminger im Jahr 1955 mit der Romanverfilmung “Der Mann mit dem goldenen Arm” für einen kleinen Skandal. Zum ersten Mal wurde hier in einem Hollywoodfilm ein drogensüchtiger Protagonist zum Helden der Leinwand auserkoren. Frank Sinatra, dem zwei Jahre zuvor ein Oscar-gekröntes Leinwandcomeback gelungen war, brilliert hier in der Rolle des heroinabhängigen ehemaligen Kartendealers (hierauf spielt der titelgebende goldene Arm an) Frankie Machine, der nach sechsmonatigem Entzug und Gefängnisaufenthalt wieder in sein altes Viertel nach Chicago zieht und dort versucht, sein Leben als Jazz-Drummer in neue Bahnen zu lenken. Weder von seiner Frau, die vorgibt, durch einen von ihm verursachten Unfall im Rollstuhl zu sitzen, noch durch seine alten Freunde erfährt er hierbei Unterstützung. Sein Selbstwertgefühl wird auf harte Proben gestellt, und der Weg zurück in die Sucht und das alte Milieu wird unausweichlich. Die einzige Möglichkeit, diesem Teufelskreis zu entkommen, scheint seine einstige Geliebte und Nachbarin Molly (Kim Novak) zu sein.
Preminger schuf mit “Der Mann mit dem goldenen Arm” eine düstere Studie, die, hervorragend besetzt, die These aufstellt, nicht Veranlagung oder Zufall würden Sucht vorherbestimmen, sondern eher Herkunft und Milieu seien hierfür verantwortlich. Nicht unerwähnt bleiben dürfen Titeldesigner Saul Bass, der mit der Eingangssequenz eine ganz eigene, vielfach kopierte Ästhetik schuf, sowie der hervorragende Jazz-Score von Komponist Elmer Bernstein. Fügt man diese Mosaikstückchen zusammen, ergibt sich ein klares Bild: ein zeitloser Klassiker!
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Record Head 20.11.2006 | 12:09:28
Der Film ist scheisse. Zum einen eine furchtbar biedere Reduktion des Romans, weiterhin vor allem in den Hauptrollen unsäglich schlecht besetzt. Gerade bei Frank Sinatra (gegen den ich nichts habe oder so) hat man das Gefühl, er parodiert seine Figur mehr als daß er sie fühlt.
haru_specks 20.11.2006 | 12:22:48
shine on
wobei das titelstück tatsächlich wegweisend großartig war (da mal auf die beiden versionen von sweet und barry adamson hingewiesen).
lost weekend von billy wilder schon 1945 verwirklicht ist eine beeindruckende säufergeschichte. okay, thema verfehlt...
Record Head 20.11.2006 | 12:35:35
die musik ist nicht übel, ok, und hübsch gefilmt ist das ganze vermutlich auch. aber ich hasse bei dramen dieses beständige pseudo-overstatement im schauspiel, da hat man immer den eindruck, die wollen alles schnell töten oder besitzen was sie verfilmen, lassen sich kein bißchen auf thematiken ein, reduzieren alles erzählen auf effekt und erzeugen daher nicht viel mehr als schlecht moralisierte klischees. furchtbar.
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