Achteinhalb

I 1963

[R: Federico Fellini; D: Marcello Mastroianni, Claudia Cardinale, Anouk Aimee, Sandra Milo; Kinowelt]

20.11.2006, 06:00, Text: Uwe Buschmann

Was passiert, wenn einem nichts mehr einfällt? Man sitzt an seinem Schreibtisch und zermartert sich das Gehirn. Ruhe bewahren. So viel ist klar. Aber was ist, wenn nicht nur der Abgabetermin immer näher rückt, sondern auch Hunderte von Leuten nur auf den Befehl warten, dass es endlich losgehen kann, und Berge von Geld auf dem Spiel stehen? 1963 befand sich der italienische Regisseur Federico Fellini genau in dieser Situation. Nach dem weltweiten Erfolg von “La Dolce Vita” stand ihm die ganze Filmwelt offen. Die Drehplätze für den nächsten Film waren angemietet, die Schauspieler und Hunderte von Statisten warteten, nur wusste er nicht, welchen Film er eigentlich drehen wollte. Da kam ihm plötzlich die glänzende Idee: Ich zeige einfach einen erfolgreichen Regisseur, der sich in einer kreativen Krise befindet und nicht weiß, was er am Set momentan wirklich machen will. Alles und alle stürzen auf ihn ein: die Produzenten, die Schauspieler, die Ehefrau, die Geliebte, Krankheit, Tod, Kindheitserinnerungen und die Vision, irgendwie einen Science-Fiction-Film drehen zu wollen. So entstand mit “Achteinhalb” einer der schönsten, tollsten, besten Kinofilme aller Zeiten. Poetisch und komisch zugleich. Mit der wunderbaren Musik von Nino Rota. Und wunderbaren Schauspielern. Am Ende nehmen sich alle Beteiligten friedfertig an der Hand und tanzen in gespenstischer Kulisse einen riesigen Ringelreihen. Ganze zehn Minuten lang. Eine von vielen kreativen Freiheiten dieses Films, die sich heute kein Regisseur mehr nehmen kann.




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