
Prinzessin Mononoke / Das Schloss im Himmel – 2DVD-Special-Edition
J 1996 & 97
[R: Hayao Miyazaki; Universum Film]
20.11.2006, 06:00, Text:
Calle Claus
Freunde asiatischer Zeichentrick-Kunst können dem Weihnachtsmann schon mal einen dezenten Wink geben: Es gibt nämlich wieder Nachschub aus den schier unendlich scheinenden Archiven der Ghibli Studios in Form von zwei “alten Schinken” in neuem Gewande – schick verpackt und mit je einer Zusatz-DVD mit Hintergrund-Infos, Interviews mit den Machern, Storyboards und neckischen Sammler-Karten ausgestattet.
“Prinzessin Mononoke” (1997) machte Ghibli-Boss Hayao Miyazaki im Zuge der beginnenden Manga-Hysterie auch hierzulande einer breiten Masse bekannt. Der Film erzählt die Geschichte des jungen Kriegers Ashitaka, der sich im Zweikampf mit einem dämonischen Riesen-Eber eine todbringende Wunde zuzieht, die ihn mit einem Fluch belegt. Auf dem Weg zum Waldgott, von dem er sich Hilfe erhofft, begegnet er dem Mädchen San, das von der weißen Wolfsgöttin Moro aufgezogen wurde. Im Wald ist San als “Prinzessin Mononoke” bekannt. Ihr ganzer Hass gilt der Geschäftsfrau Eboshi, die ihr Reich abholzen und den Waldgott töten will, um Erz abzubauen.
Ashitaka findet sich zwischen den Fronten wieder. Seine Vermittlungsversuche handeln ihm das Misstrauen beider Gruppen ein. Die Handlung des Films ist hochkomplex und eigentlich erst beim zweiten Gucken einigermaßen nachvollziehbar. Das ist aber nicht tragisch, weil man all die wunderbar animierten Bäume und Waldwesen sowieso gleich noch mal sehen will.
Fast noch toller und zudem noch eine Dekade älter ist “Laputa – das Schloss im Himmel” (1986), der erste abendfüllende Spielfilm Miyazakis. Er erzählt die Geschichte des Mädchens Sheeta, die gleich zu Beginn aus einem gigantischen Luftschiff stürzt. Ein magischer Stein, den sie um den Hals trägt, lässt sie jedoch federleicht zu Boden gleiten, direkt in die Arme des Jungen Pazu, der den Rest des Films nicht mehr von ihrer Seite weicht. Sheeta stammt von den Bewohnern des sagenumwobenen Königreichs Laputa ab, einer gigantischen schwebenden Insel, die sich zumeist in den herrlichsten Wolkengebilden verbirgt. Der Film hat bereits alles, was man an den späteren Ghibli-Produktionen liebt: herzerweichende Figuren, kunstvolle Settings, eine wirklich fantastische Filmmusik und natürlich jene spezielle Art von Figuren, die zunächst als Ultra-Bösewichter eingeführt werden, sich aber etwa auf der Hälfte des Films als total knuffige Kumpeltypen entpuppen, mit rauer Schale halt. Viele der unglaublich hochkomplexen Animationen, gerade im letzten Teil des Films, klappen einem schlichtweg die Kinnlade runter. Eigentlich ist das natürlich Stoff, der nur auf der Kinoleinwand seine ganze Wucht und Pracht entfaltet.
Beide Filme liegen mit über zwei Stunden Länge deutlich über dem westlichen Trickfilm-Schnitt, sind aber so unglaublich fantasie- und liebevoll animiert und dermaßen voll von schrägen, rührenden oder einfach nur komplett rätselhaften Charakteren, dass es eine wahre Freude ist. Wer war noch gleich dieser Disney?
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