
The Duelist
ROK 2005
[R: Lee Myung-se; D: Ha Ji-won, Ahn Sung-gi, Gang Dong-won; Rapid Eye Movies]
20.11.2006, 06:00, Text:
Uwe Buschmann
Die Anfrage war kurz und präzise, und sie kam vollkommen zu Recht: Wann gibt es endlich einen neuen Film des südkoreanischen Regisseurs Lee Myung-se? Zu vielen Asian-Film-Fans war sein letztes Werk “Nowhere To Hide”, ein ultra-cooler Copfilm, auf der Netzhaut eingebrannt geblieben. Da war das Interesse natürlich groß, wie es mit diesem Regisseur, den man sich gerade in sein virtuelles Panini-Film-Album neben Quentin Tarantino und Johnny To eingeklebt hatte, wohl weitergeht. Endlich, nach sechs Jahren Wartezeit, ist es so weit. Mit “The Duelist” kann der Rausch an atemberaubenden Filmbildern in die nächste Runde gehen. Die Handlung ist diesmal nicht im Jetzt angesiedelt, sondern spielt im historischen Korea, zur Zeit der Chosun-Dynastie. Die Protagonisten sind die hitzköpfige Namsoon und ihr Mentor Ahn, zwei Polizisten, die einer Geldfälscherbande auf der Spur sind. Das Land befindet sich in politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten, sodass den Oberen gerade solche Verbrecher ein besonderer Dorn im Auge sind. Bald stellt sich jedoch heraus, dass hinter der Bande jemand aus höheren Regierungskreisen steckt, der darüber hinaus sogar die Macht im Land ergreifen will. Namsoon trifft immer wieder auf dessen rechte Hand Sad Eyes, den sie dabei genauso schnell hassen wie lieben lernt. Doch trotz dieser gemischten Gefühlslage ist es ihr klar, dass sie einem entscheidenden Duell mit ihm kaum aus dem Weg gehen kann.
Der Film “The Duelist” basiert auf dem Comic-Buch “Damo Namsoon” von Bang Hak-gi. Eine Vorgabe, die schnell klar werden lässt, dass eine Verfilmung mehr über die Macht der Bilder als über hochphilosophische Dialoge oder eine ausgeklügelte Story funktioniert. Was dem Vergnügen an diesem Film aber mit Sicherheit keinerlei Abbruch tut. Dazu beherrscht Regisseur Lee Myung-se die Kniffe des modernen Kinos einfach viel zu gut. Er hat dabei einen eigenen Style entwickelt, der dem platten Actiongetöse des normalen Filmalltags weit überlegen ist. So ist es mitnichten ein reiner Actionfilm, den man hier zu sehen kriegt. Die Action trifft einen wohldosiert, es gibt viele Close-ups, bevor es zur Sache geht. Und manchmal sind die Drehplätze extra im Dunkeln gelassen worden, damit selbst die hochenergetischen Kampfszenen Platz für die eigene Fantasie lassen.
“The Duelist” hat sich von Anfang an auf die Fahnen geschrieben, kein bloßes Follow-up von “Nowhere To Hide” zu sein, der ja durch und durch pures Adrenalin-Kino war, das kaum ein Atemholen zuließ. Deshalb hat es auch wohl sechs Jahre gebraucht, bis der neue Film fertig war. Lee Myung-se wollte für sich und uns neue Wege gehen. Das lange Warten hat sich definitiv gelohnt.
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