Ein Freund von mir

D 2006

[R: Sebastian Schipper; D: Jürgen Vogel, Daniel Brühl, Sabine Timoteo; 26.10.]

23.10.2006, 06:00, Text: Oliver Minck
[4 Kommentare]

Achtung, Enttäuschter-Fan-Review! “Absolute Giganten”, das Debüt von Sebastian Schipper aus dem Jahre 1999, zählte für uns feinfühlige Twentysomethings seinerzeit zu den wesentlichen filmischen Identifikationsstiftern aus Deutschland. Der Humor, diese zarte Melancholie zwischen Aufbruch und Abschiednehmen, der tolle Soundtrack: ein perfekter Film. Nach geschlagenen sieben Jahren rückt Schipper nun endlich mit dem Nachfolger raus. Und man mag nicht glauben, dass hier derselbe Regisseur und Drehbuchautor am Werk war: “Ein Freund von mir” ist dermaßen unsubtil und klischeeüberfrachtet.


Der steife Versicherungsangestellte Karl (Daniel Brühl) heuert inkognito bei einem potenziellen Kunden als Autoüberführer an. Dort trifft er auf Hans (Jürgen Vogel), einen aufdringlichen, aber herzensguten Typen, chaotisch, impulsiv, spitzbübisch. Hans geht Karl zwar gehörig auf die Nerven, stiftet ihn aber an zu allerlei Schabernack, den junge Männer anscheinend geil finden: zum Beispiel nackt im Porsche fahren und bei geöffnetem Fenster im Tunnel ganz laut schreien. Karl soll sich offensichtlich befreien, der etwas tumbe Hans ist sein Therapeut. Keine kumpelige Männerstory ohne weibliches Lustobjekt: Weil Hans den Karl so mag und geteiltes Glück doppelt schön ist, möchte er auch seine sexy Freundin mit ihm teilen. Was natürlich schiefgeht. Trotz ansprechender Bildästhetik und atmosphärischer musikalischer Untermalung wirkt dieser Film wie am Reißbrett entworfen. Hauptsache, Vogel und Brühl machen die Kinokassen voll. War Schippers Herzblut nach “Absolute Giganten” etwa schon komplett aufgebraucht?



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  • User: MrSlomo
  • MrSlomo 09.11.2006 | 10:24:15

    Habe Schippers neuen Film vor zwei Tagen gesehen und kann auch nach dieser Bedenkzeit die Intro Kritk absolut nicht teilen. Toller Film. Einziger Fehler: die Besetzung Brühl / Vogel. Ansonsten erweist sich Schipper wieder als absolut begnadeter Dialogschreiber und hat darüberhinaus den ersten guten deutschsprachigen Film über das Leben in Zeiten der prekären Lohnarbeit abgeliefert. Meinungen, anyone?

  • User: MrSlomo
  • MrSlomo 09.11.2006 | 10:25:07

    Hä? Wieso landet das denn hier?

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