Scoop

USA 2006

[R: Woody Allen; D: Scarlett Johansson, Woody Allen, Hugh Jackman, Ian McShane; 16.11.]

23.10.2006, 06:00, Text: Martin Riemann

Schon wieder ein neuer Film von Woody Allen. Und schon wieder hat der Regisseur das unvergleichliche Ambiente der englischen Upperclass als Hintergrund für seine Geschichte gewählt. Eigentlich kein Wunder, denn wo sollte Allens konsequent anti-moderner Erzählstil besser gedeihen können als in good old England? Über das bekannte Setting hinaus verfügt “Scoop” über genug Parallelen zu dem sinistren Psychodrama “Matchpoint”, sodass man ihn getrost als dessen heiteres und leichtfüßiges Pendant bezeichnen kann. Denn auch jetzt geht es um verhängnisvolle Ausbrüche aus verknöcherten gesellschaftlichen Strukturen, die letzten Endes zu Gewaltverbrechen führen. Dabei lässt sich “Matchpoint” als gekonnte Variation von Allens’ “Verbrechen und andere Kleinigkeiten” betrachten und “Scoop” als die englische Spielweise von “Manhattan Murder Mystery”. Das faszinierendste Bindeglied zwischen beiden Filmen ist aber mit Sicherheit Scarlett Johansson, die sich hier von ihrer komödiantischen Seite zeigen kann.


In “Scoop” spielt sie Sondra, eine leicht trottelige amerikanische Journalismus-Studentin, die während ihres Londonaufenthaltes in einer Show des Magiers Sid Waterman (Woody Allen) von dem Geist eines frisch verstorbenen Top-Reporters auf einen echten Knüller hingewiesen wird: die Identität eines berüchtigten Prostituiertenmörders. Um den Fall zu lösen, bindet Sondra den widerspenstigen Magier in ihre Recherchen mit ein, und das ulkige Team schmuggelt sich, als Vater und Tochter getarnt, in englische Adelskreise, um den vermeintlichen Täter Peter (Hugh “Wolverine” Jackman) zu überführen. Doch dieser entpuppt sich als charmanter Feingeist, in den sich Sondra sofort verliebt, was ihre Aufgabe nicht gerade einfacher macht.

Der relativ schlichte Plot dient natürlich fast ausschließlich als Vehikel für das Gespann Johansson/Allen, das genug Dynamik und Witz für eine ganze Serie versprüht. Allen paart dabei die für ihn typische Stand-up-Routine mit der beschwingten Komik der Kriminalkomödien der 30er-Jahre, wie man sie in Klassikern wie “Der dünne Mann” und auch in einigen Hitchcock-Filmen dieser Zeit findet. Doch nicht nur die Screwball-artigen Wortgefechte zwischen Johansson und Allen erinnern an diese Ära. Der gesamte Film ist einer stark theateresken Inszenierung verhaftet, die den durchweg hervorragenden Schauspielern ungewöhnlich viel Raum für konzentrierte Darbietungen lässt. Die dadurch aufkommende Spielfreude verleiht “Scoop”, trotz einiger recht dialoglastiger Szenen, eine mitreißende Leichtigkeit. Der Zuschauer vergisst das filmische Element völlig und kann sich ganz auf Darsteller, Gags und die liebevolle Ausstattung konzentrieren. “Scoop” will nichts anderes sein als leichte Unterhaltung, offenbart aber gerade in seiner routinierten Unangestrengtheit die große Kunst des Erzählers Woody Allen.



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aus Intro #144 (November 2006)

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