Monks. The Transatlantic Feedback

D 2006

[R: Dietmar Post, Lucía Palacios; Play Loud! Productions]

23.10.2006, 06:00, Text: Matthias Schneider
[1 Kommentar]

Fast wären sie in Vergessenheit geraten, die Antipoden der Beatles: The Monks, ein progressives Quintett ehemaliger GIs im Wirtschaftswunder-
Deutschland. Während die Liverpooler “I Wanna Hold Your Hand” dudeln, schreien die Monks “I Hate You, Baby” und werfen ein bitteres “But Call Me” hinterher. Auch die Kleidung der Monks entspricht dem Negativbild der Beatles, die in den 60er-Jahren adrett im Anzug auftreten und bei kollektiven Bewegungen ihre putzigen Pilzköpfe schütteln. Die Monks tragen Mönchskutten und so ziemlich die uncoolste Frisur, die es gibt, nämlich eine Tonsur. Bei den Konzerten verzweifeln die Kids an der puren Energie des Quintetts, dem gellenden Gesang und der brachialen Rhythmik, die sich keinem standardisierten Tanzschritt unterordnet und den Manierismus der angeblich revoltierenden Jugendlichen konterkariert. Davon zeugen “Beatclub”-Filmausschnitte der Monks-Konzerte, die die beiden Filmemacher Dietmar Post und Lucía Palacios an den Anfang ihres äußerst bemerkenswerten Films “Monks.The Transatlantic Feedback” gestellt haben.


Acht Jahre Arbeit stecken in dem ersten Dokumentarfilm über die Avantgarde-Beatband. Den Regisseuren ist es zu verdanken, dass dieses einzigartige Bandphänomen der 60er-Jahre nicht in den dunklen Kanälen der Musikgeschichte verschwindet. In den Interviews der Bandmitglieder und ehemaliger Wegbegleiter wird deutlich, dass die Monks nicht nur die Vorkämpfer des Punk sind. Nach ihrem Militärdienst schlagen sich die fünf Amerikaner zunächst als durchschnittliche semiprofessionelle Beatcoverband durch und heißen The 5 Torquais. Alles ändert sich, als sie 1965 auf Absolventen der Designschulen Ulm und Essen treffen. Karl H. Remy und Walther Niemann realisieren mit den Amis ihre Vision einer konzeptionellen Beatband, basierend auf Theorien des Minimalismus, Dekonstruktivismus und Dadaismus. Fortan werden Erscheinungsbild und Image, Texte und Musik zur Marke Monks verdichtet. Der Begriff “Beatmusik” wird wörtlich genommen, man komprimiert die Instrumente auf den Rhythmus, auf den kollektiven Schlag, der die scharfe Kritik der Texte am Kalten Krieg potenziert. Das Musiker- und Designkollektiv erarbeitet die fünf Regeln der Monks, das die kurzzeitig wiedergewonnene Individualität der Ex-Soldaten dem Band-Image unterordnet. “Transatlantic Feedback” huldigt nicht nur dem Gesamtkunstwerk Monks. Der Film zeigt auch die Selbstzweifel der Musiker und ihre Probleme mit der Programmatik. Denn die Zeit ist noch nicht reif für die Monks, und der Erfolg bleibt aus. Eine Schallplatte und zwei Singles werden von ihrem Label veröffentlicht, dann lässt man sie fallen. Die Band löst sich auf, die Mitglieder kehren desillusioniert in ihre Heimat zurück und verschweigen bis zu dem Filmprojekt ihre Erlebnisse. Mit ihrem beispielhaften Dokumentarfilm setzen Post und Palacios den einzigartigen Monks das längst überfällige Denkmal. Absolut empfehlenswert!



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  • laibach80 25.01.2010 | 20:55:27

    Monks - The Transtatlantic feedback hier online gucken

    http://www.realeyz.tv/de/lucia-palacios-dietmar-post-monks---the-transatlantic-feedback_cont1265.html

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