
Dawn Of The Dead & Land Of The Dead
USA 2004 & USA/CDN/F 2005
18.09.2006, 13:55, Text:
Martin Riemann,
Martin Riemann
Sie gegen uns. Ein uramerikanisches Entertainment-Thema. Und es war stets klar, wer die Bösen waren, nämlich “Sie”; um wen auch immer es sich gerade handelte. Seit der Held von George A. Romeros Horrorklassiker “Night Of The Living Dead” von den “Guten” erschossen und mit Fleischerhaken abtransportiert wurde, ist die Sache aber nicht mehr ganz so eindeutig. In seinen Zombiefilmen arbeitet Romero kontinuierlich an der Frage, wer die schlimmere Bedrohung darstellt: die Zombies (mittellose Durchschnittsmenschen mit manischem Konsumverhalten) oder diejenigen, die ihnen kaltblütig die Köpfe wegballern.
In “Land Of The Dead” muss sich erneut eine Hand voll Außenseiter diese Frage stellen, denn neben den obligatorischen staksenden Leichnamen macht ihnen eine korrupte Militärdiktatur (angeführt von Dennis Hopper!) das Leben zur Hölle. Die Menschen ändern sich halt nicht mehr in Romeros Zombie-Kosmos, dafür billigt er ausgerechnet den Untoten die dramatischste Charakterentwicklung zu. Sie beginnen nämlich zu lernen und sich zu organisieren. Natürlich ist der geschilderte Gegensatz zwischen Arm und Reich sehr parabelhaft, und Romeros holzschnittartige Pulp-Symbolik wird nicht jedem gefallen. Das macht seine Vision aber nicht weniger zwingend. Und gerade durch seinen trockenen, rauen Erzählstil gerät “LOTD” zu einer willkommenen Ausnahmeerscheinung im kontemporären Horrorkino. Mit einem schön schmierigen John Leguizamo, der unwiderstehlichen Asia Argento und etlichen extrem widerlichen Einblicken in den Alltag der lebenden Toten.
Mit Letzteren geizt auch Zack Snyders Remake von Romeros “Dawn Of The Dead” (oder “Zombies im Kaufhaus”, wie er hier in den 80ern liebevoll genannt wurde) nicht. Snyder setzt seine Protagonisten auch in eine Shopping-Mall, schraubt aber die allegorischen Momente weitestgehend zurück und konzentriert sich auf hohes Tempo und schieren Terror. Und er tut gut daran, denn auf diese Weise bekommt Snyders Version eine ganz eigene nihilistische Dynamik, die das Thema der Urfassung wunderbar ergänzt. Schon die ersten 15 Minuten des Films erwecken buchstäblich die Hölle auf Erden, und der mit Johnny Cashs “The Man Comes Around” unterlegte Vorspann ist sowieso unschlagbar.
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