Road To Guantanamo

GB 2006

[R: Michael Winterbottom, Mat Whitecross; D: Farhad Harun, Arfan Usman, Rizwan Ahmed, Wagar Siddiqui; 21.09.]

18.09.2006, 06:00, Text: Barbara Schulz

“The only thing I know for sure is that these are bad people!” sagt der amerika­nische Präsident. Schnitt. Tony Blair schaut zustimmend. Schnitt. Ein junger Mann putzt sich die Zähne, schaut in den Spiegel. Schnitt. Das ist der Beginn von “Road To Guantanamo”, Michael Winterbottoms und Mat Whitecross’ semi­dokumen­tarischem Film über die vier englisch-pakistanischen Muslime Ruhel, Asif, Shafiq und Monir aus dem englischen Kaff Tipton, die im Oktober 2001 “nur mal so” nach Pakistan flogen, weil einer von ihnen dort heiraten wollte. Und die dann in Guantanamo Bay landeten, dem gefürchteten, von den USA unterhaltenen Gefangenenlager in Kuba, in dem auch heute noch ca.

500 Männer sitzen, die möglicherweise ähnlich unschuldig sind wie die von der englischen Presse griffig “Tipton Three” (einer der vier Jungen, Monir, verschwand in Afghanistan und gilt bis heute als verschollen) genannten Betroffenen, von denen dieser Film handelt.

Winterbottom und Whitecross (sonst Cutter und Editor von Winterbottom; hier erstmals Ko-Regisseur) haben aus dem brisanten Stoff einen rasanten Patchwork-Film gebastelt, der aus Interviews mit den Betroffenen, nachgestellten Szenen und Original-Nachrichtenschnipseln von CNN und anderen Quellen besteht. Im Interview verrät Whitecross, warum der Film so schnell gemacht wurde: “Das hier ist ja eine ganz spezielle Art von Film. Die Story war schließlich schon ein bis zwei Jahre alt, und es dauert meist recht lange, einen Film fertig zu stellen. Wir wollten aber in diesem Fall, dass die Message so schnell wie möglich rausgeht. Michael meinte, es sei ihm egal, wo Leute den Film sehen würden, ob auf ihrem Handy, ob als illegales Download aus dem Internet oder sonst wo; Hauptsache, sie würden ihn sehen.” Dazu passend ist der Film beispielsweise in England fast zeitgleich im Internet, im Kino und im Fernsehen gestartet.

Zu Anfang, als die jungen Männer (zwischen 19 und 21 Jahre alt) nach Pakistan reisen, wähnt man sich in einem bunten schnellen Roadmovie, doch schon bald wohnt man einer entschleunigten Darstellung von Grausamkeiten bei, denen die Gefangenen in Guantanamo Bay ständig ausgesetzt sind. Manche Bilder kennt man aus Zeitungs- und Fernsehberichten. Sie bekommen durch den Doku-Charakter eine viel stärkere Intensität und sind teilweise nur schwer auszuhalten. Dabei ist der Film wenig reißerisch, sondern eher wie eine nüchterne Anklage gedreht. Trotzdem: Die monoton anmutende Darstellung von Gewalt nagt am Zuschauer. Die immer wieder stattfindenden Verhöre werden mit jedem Mal absurder: “Woher kommst du? Wo ist Bin Laden? Bist du ein Kämpfer? Bist du Al Qaida?” Genau wie die Verdrehung von Tatsachen: “Du sprichst Englisch? Und du willst ein Moslem sein?!” Jede falsche Antwort wird mit Schlägen bestraft, jede nicht gestattete Regung mit weiteren Schlägen, man sperrt die Gefangenen in dunkle Räume, fesselt sie stundenlang mit Händen und Füßen an den Boden, setzt sie lauter Heavy-Metal-Musik und Stroboskoplicht aus. Zwischendurch sieht man Donald Rumsfeld, der beteuert, dass man sich in diesen Lagern “weitestgehend an die Genfer Konventionen” halte. Aber man sieht auch die drei jungen Männer, die das alles erlebt haben und deren Kommentare zu den Bildern oftmals abgeklärt, manchmal aber dank ihres britischen Humors trocken-komisch klingen, was den Bildern natürlich selten gelingt – höchstens, als einer der Gefangenen eine Human Beatbox mimt und ein anderer dem amerikanischen Bewacher seine Rap-Künste vorführt.

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