The Creation Of Techno Music
[Plexifilm]
21.08.2006, 13:16, Text:
Marc Lansley,
Marc Lansley
Die Historisierung von Techno schreitet munter voran, doch keine Kanonisierung bleibt unwidersprochen: Wer war wo wirklich wichtig? Wer war der Erste? Und vor allem: Wer wird sich auf den Schlips getreten fühlen, wenn er oder sie nicht erwähnt wird? Denn üblicherweise leben alle Protagonisten noch und erheben gerne Einspruch, was eine distanzierte Sichtweise schier unmöglich macht. Nun macht sich ein Dokumentarfilm daran, ein paar Akteure nebeneinander zu stellen, um Licht in das Dunkel von Detroit zu bringen, jener Stadt, die als Geburtsstätte von Techno gilt. Klugerweise wird eine lokal begrenzte Geschichte erzählt, denn alles andere wäre nicht in einem 60-Minuten-Film unterzubringen gewesen.
Techno als Schlagwort löst eine ungeheure Vielzahl an Referenzen aus, von Rave bis Minimal über House und Disco, hat schon verdammt viel verdauen müssen aus dem Fundus seiner Vorgeschichte und ist letztendlich immer noch zu jung, um eine endgültige Zuschreibung zu erlauben. Mit 15 Jahren gerade mal in der Pubertät angekommen, ist es ohnehin nicht leicht, schon so oft für tot erklärt worden zu sein. So wundert sich das designierte Triumvirat des Techno (Juan Atkins, Derrick May, Kevin Saunderson) im Akkord darüber, dass man überhaupt so weit kommen konnte. Eine gewisse Bescheidenheit ist allen drei zu Eigen, und selbst ein Derrick May (oft als selbstsüchtiger Clown verschrien) entpuppt sich im Interview als äußerst witziger und angenehmer Gesprächspartner, dessen Drang zur Selbstdarstellung immer noch als Dekor durchgehen kann. Und jede der spärlichen Live-Aufnahmen scheint vom DEMF (Detroit Electronic Music Festival) zu stammen, womit auch das größte Problem des Films deutlich wird: die höchst fragwürdige und dennoch hier proklamierte Anbindung einer schwarzen “Alien”-Musik an eine Stadt “der schwarzen Aliens”. Denn die hat so nie oder nur sehr spärlich stattgefunden. Das Gros des sichtbaren Publikums ist weiß, eine reine Techno-Szene hat es nie gegeben, und die meisten Produzenten reisen ohnehin dauernd durch Europa, wenn sie nicht schon da leben. So bleibt die Geschichte des schwarzen Techno eine irgendwie verkorkste und erzählt vor allem von verpassten Chancen. It’s only Techno Music.
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