
Manderlay
DK u. v. a. 2005
[R: Lars von Trier; D: Bryce Dallas Howard, Danny Glover, Willem Dafoe; Legend Films / Universum]
21.08.2006, 11:46, Text:
Sascha Seiler,
Sascha Seiler
Nach der teilweise recht opulenten “Europa”-Trilogie begann Lars von Trier gut zwanzig Jahre später mit dem reduktionistischen “Dogville” seine “Amerika”-Trilogie, die zwar nicht mehr den “Dogma”-Regeln entspricht, dennoch das Kino der Illusionen gegen ein episches Theater in Brecht-Tradition austauscht. So wird auch in “Manderlay” weiterhin konsequent das Hollywood-Kino als geschichtsverfälschende Illusionsmaschine enttarnt, da von Trier, wie bereits in “Dogville”, den Handlungsort nur andeutet, indem in einer großen Lagerhalle die Stadt nur skizzenhaft auf einen Bühnenboden gezeichnet wurde.
Seltsam eigentlich, dass diesem radikalen stilistischen Mittel in beiden Filmen weitaus weniger Aufmerksamkeit zuteil wurde als den Amerika-kritischen Plots, welche die Besiedlung und soziale Entwicklung der USA als eine Abfolge an Brutalität und Repression von Schwächeren – Frauen in “Dogville”, Schwarze in “Manderlay” – anprangern. Der feine Unterschied zur gängigen Sozialromantik ist allerdings, dass, geraten die Unterdrückten dann doch einmal in den Besitz von Macht, diese genauso skrupellos handeln wie ihre Peiniger. Die Message ist also auch in “Manderlay” recht simpel, denn der Mensch, zumal der amerikanische, ist nun mal von Grund auf schlecht, und die Nacktheit der Szenerie soll auch auf die dargestellte Nacktheit von Personen und Geschichte übertragen werden. Ästhetisch bleibt dies auch beim zweiten Versuch überwältigend, wenn auch der Inhalt ein wenig verstörend wirkt.
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