
Gespenster
D 2005
[R: Christian Petzold; D: Julia Hummer, Sabine Timoteo; Piffl / Good Movies]
21.08.2006, 11:23, Text:
Sonja Eismann,
Sonja Eismann
Nach Petzolds Film war das Wort überall – Gespenster. Zeitschriften haben sich benannt, Comics wurden gemacht, Panels geführt. Nichts schien das Unwohlsein an der Gesellschaft, die ihre zunehmend prekären Existenzen zu geisterhaften Störfaktoren relegiert, besser zu charakterisieren als dieser eigentlich doch märchenhafte Begriff. In Christian Petzolds Film, der von den digital gealterten Suchbildern verschwundener belgischer Mädchen sowie einem Märchen über ein untotes Mädchen inspiriert wurde, bewegen die sich durch Klassenunterschiede hart von den anderen getrennten Protagonistinnen mit ihren traurig verwischten Randexistenzen in Blasen außerhalb des sozial definierten Raums, wie der Regisseur selbst im erfreulich ausführlichen DVD-Booklet skizziert.
Nina (Julia Hummer, großartig zur Perfektion in der einen Rolle, die sie immer spielt) und Toni (Sabine Timoteo) führen als Heimkind und als scheinbar wurzellose Diebin soziale Drifter-Existenzen in den Randflächen von Berlin, die auf unerwartete Weise mit der Oberschicht-Biografie einer etwa 40-jährigen Französin überlappen, deren Tochter als Kleinkind entführt wurde. Dieser Schmerz drückt sie an die Außenbezirke ihrer Existenz und scheint eine Reparation aneinander für einen kurzen Moment möglich zu machen – bis auch diese tröstende Illusion sich, geistergleich, verflüchtigt. Zu Recht einer der am meisten erwarteten und diskutierten Filme des letzten Jahres, in einer außergewöhnlich sorgfältigen DVD-Edition mit einem unprätentiösen Making-of als Bonus.
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