Bin-Jip

ROK 2004

[R: Kim Ki-Duk; D: Lee Leung-Yeon, Jea Hee, Kwon Hjuk-Ho, Joo Jin-Mo; Al!ve]

03.09.2006, 06:00, Text: Calle Claus
[3 Kommentare]

Bin-Jip” (zu Deutsch “Leere Häuser”) stellte im Werk Kim Ki-Duks einen Wechsel zu einer schnelleren Arbeitsweise dar – im doppelten Sinne. Waren Filme wie “Die Insel” (2000) oder “Frühling, Sommer, Herbst, Winter und ... Frühling” (2002) von opulenten Bildern und langen Einstellungen bestimmt, so wirkt “Bin-Jip” eher stakkatoartig und skizzenhaft. Zudem wurde der Film in nur zwei Wochen abgedreht. Er zeigt einen einsamen stummen Jüngling, der schattenhaft und wahllos in fremde Wohnungen eindringt. Tae-Suk, so sein Name, sieht mit seinem auf “softer Rebell” gestylten Haupthaar wie der Star einer asiatischen Soap aus – mit dem Unterschied, dass 88 Filmminuten lang kein Wort über seine Lippen kommt. Somit reiht er sich in eine Riege stummer Helden ein, die Kim Ki-Duks Filme bevölkern. In unserem Interview anlässlich des Kinostarts seines neuen Films “Hwal – der Bogen” hatte dieser eine unerwartet pragmatische Erklärung für die Sprachlosigkeit seiner Protagonisten: “Meine Filme werden vor allem in Europa und Amerika gesehen, da wäre es paradox, lange koreanische Dialoge zu haben. Der Verzicht auf Sprache ist für mich ein Schritt hin zu universeller Verständlichkeit.”


Tae-Suk kocht, putzt, repariert und fotografiert, nur stehlen ist für ihn (zunächst) tabu. Eines Tages begegnet er der schönen Sun-Hwa, die er kurzerhand aus den Klauen ihres ebenso wohlhabenden wie gewalttätigen Ehegatten befreit. Mit der gedemütigten Gattin und einem Golfschläger samt Bällen aus dem Besitz ihres Peinigers, die zur vernichtenden Munition und zum Ventil seiner angestauten Wut werden, zieht Tae-Suk weiter, um von nun an mit der Schönen an seiner Seite die Odyssee durch fremder Leute Privatgemächer fortzusetzen. Irgendwann kommt ihnen die Polizei auf die Schliche, Tae-Suk wird von der Geliebten getrennt und landet im Knast. Bis dahin irrt der Film, wie sein Held, gelegentlich etwas ziellos dahin. Aber dann wird’s richtig großartig: Tae-Suk trainiert die Selbstauflösung. Er narrt seinen Zellenwärter, der ihm das Essen in das enge Verlies bringt, und treibt den armen Mann fast in den Wahnsinn, indem er überraschend viele Möglichkeiten findet, sich in einem ca. fünf qm großen Raum vor den Blicken des Gastes zu verbergen. Das Gelernte wendet er dann später im Haus der Geliebten an, die längst wieder unter der Knechtschaft ihres cholerischen Gatten zu leiden hat – so entsteht die seltsamste Ménage à trois der Filmgeschichte. Diese Szenen sind so einmalig, dass man als geneigter Arthouse-Fan innerlich zu jubilieren beginnt. Irgendwann verschwimmen die Grenzen zwischen Menschen und Gespenstern, zumal der Regisseur mit der genialen letzten Einstellung des Films zusätzlich für Verwirrung sorgt. “Bin-Jip” wurde bei dem internationalen Filmfestival in Venedig 2004 mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet. Ein rätselhaftes Meisterwerk eines der interessantesten Regisseure unserer Zeit.



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  • User: tidbit
  • tidbit 03.09.2006 | 20:42:45
    (@_@)oO0°*´¸.•’´¯)i°&#9829
    klingt toll.muß ich sehen.ich liebe solch koreanische filme.und so protagonisten wie z.b. ein hinkender behinderter,der die steine vom grab nimmt,während jemand welchen drauf tut,oder ein dicker etwas geistesgestörter jemandem beim verbrennen einer leiche zuschaut,toll.leider hab ich die filmtitel beider beispiele vergessen.ich habe schon zuviel asiatenkram geschaut

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