
Das Mädchen aus dem Wasser
USA 2006
21.08.2006, 06:00, Text:
Calle Claus,
Calle Claus
Viele lange Abende, so will es die Legende, saß Hollywoods Wunderkind M. Night Shyamalan (“Signs”, “The Village”) am Bett seiner beiden Töchter und improvisierte unzählige Variationen einer Gutenachtgeschichte namens “Wer wohnt wohl nachts in unserem Pool?”. Der Stoff ließ Papi nicht mehr los, und so entstand nach und nach das Drehbuch von “Lady In The Water”, in dem sich ein blasses weibliches Wasserwesen namens Story (Bryce Dallas Howard) durch unterirdische Gänge in den Pool eines Apartment-Komplexes verirrt, wo sie eines Nachts von dessen Hausmeister Cleveland Heep (Paul Giamatti) entdeckt wird. Heep, ein linkischer, stotternder Gesell, entwickelt spontane Vatergefühle für das tranquile Wesen und beginnt Stück für Stück eine alte Legende zu entschlüsseln. Diese soll Antworten darauf geben, wie Story wieder in ihre Heimat, die “blaue Welt”, zurückgelangen kann, deren Pforten von diversen Dämonen versperrt werden. Der frustrierte Hausmeister muss das Kind in sich wieder finden, um helfen zu können. Klingt auf dem Papier erst mal ein bisschen doof, doch auf der Leinwand funktioniert’s, weil der Regisseur die Genre-immanenten Fettnäpfchen gekonnt zu umschiffen versteht.
Es gibt eine wunderbare Szene, in der Heep eine uralte chinesische Mieterin ausfragt, die Genaueres über die Legende weiß. Die Tochter der störrischen Frau gibt ihm den Tipp, möglichst plakativ ein infantiles Gemüt zu mimen, um das Herz der verstockten Alten zu erweichen und ihre Zunge zu lockern. Er fläzt sich also auf ihr Sofa und nimmt einen ungelenken Schluck aus der Kakaotasse, um dann mit großen Augen, Milchbart und Schlenkerbeinen zu lauschen – wer Giamattis Physiognomie vor Augen hat, kann die Brillanz des Bildes erahnen. Stück für Stück stellt sich nun heraus, dass jedem Mieter in dem tristen Wohnblock bei der Rettung der Wassernymphe eine festgelegte überlieferte Rolle zukommt.
Shyamalans Figuren umgibt eine würdevoll-mythische Aura, trotzdem sind sie in ihrer Tollpatschigkeit sehr menschlich gezeichnet und stets mit einem hintergründigen Humor unterlegt. Als gewiefter Geschichten-Erfinder schafft er es sogar, mit dem mürrischen Ex-Filmkritiker Farber (Bob Balaban) eine Nebenfigur einzubauen, die das ganze Handlungskonstrukt quasi als überheblicher Meta-Kommentator verhöhnt und filmtheoretisch seziert. Shyamalan verzichtet im Übrigen auch erstmals auf seine Schrulle, mit einem Paukenschlag am Ende alles zuvor Gesehene über den Haufen zu werfen – gerade noch rechtzeitig, bevor es zur berechenbaren Masche wird. Dafür lässt er die Story diesmal über die gesamte Distanz unerwartete Haken schlagen.
Ansonsten strotzt der Film nur so vor Fantasy-Klischees, sogar Tolkien’sche Riesen-Adler kommen im Finale zum Einsatz. Dennoch ist das Ergebnis erfrischend unpeinlich, nicht zuletzt dank Giamattis unglaublicher Leinwandpräsenz. Hollywoods neue Lichtgestalt könnte vermutlich auch das dümmste Drehbuch retten. Das Fantasy-Genre atmet wieder!
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
DVD-EMPFEHLUNGEN
- » A Beginner’s Guide To Endings...
- » Night Of The Living Dead - Wi...
- » Misfits - Die erste Staffel
- » Ashes To Ashes - Byzantinisch...


