
Thomas Anders Jensen
Adams Äpfel
21.08.2006, 06:00, Text:
Martin Riemann
Wenn sich zu Beginn eines Films dessen Hauptfigur liebevoll ein Hitlerportrait an die Wand hängt, sind die Chancen mittlerweile sehr hoch, dass es sich dabei um einen Thomas-Anders-Jensen-Film handelt. Neben dem Spanier Álex de la Iglesia lotet momentan kaum ein anderer europäischer Autorenfilmer die Grenzen des guten Geschmacks derart hingebungsvoll aus wie der profilierte Däne. Zu seinen Spezialitäten gehören z. B. slapstickartig explodierende Lebewesen oder das Kochen und Verspeisen menschlicher Überreste.
In “Adams Äpfel” wird der Neo-Nazi Adam (Ulrich Thomsen) zwecks Resozialisierung in die krankhaft gütige Obhut des Landpfarrers Ivan (Mads Mikkelsen) geschickt. Dieser ignoriert nicht nur Adams feindseliges Gebaren völlig, sondern nimmt alles Übel ausschließlich als Prüfung des Teufels wahr. Natürlich treibt dieser notorische Samariter den bekennenden Nazi zur Weißglut, und so beschließt Adam, den Pfarrer mit der bitteren Realität zu konfrontieren. Doch einige seltsame Geschehnisse scheinen dem vom Pech verfolgten Ivan Recht zu geben.
Auch mit seinem neuesten Mikrokosmos gelingt es Jensen, aus seinen absurden Figurenkonstellationen Momente großer Komik und menschlicher Wärme zu schöpfen. Mit all seinen Tabubrüchen bleibt “Adams Äpfel” ein zutiefst humanistisches Schauspiel, das selbst im schlechtesten Menschen noch den guten Kern findet. Ein postmodernes “Feel-Good-Movie” für die ganze Familie, das vor allem durch die Glanzleistungen seiner beiden Hauptdarsteller niemals an Tempo, Witz und Energie verliert.
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