Westworld

USA 1973

[R: Michael Crichton; D: Yul Brynner, Richard Benjamin, James Brolin; Warner]

17.07.2006, 08:00, Text: linus volkmann, linus volkmann

Für Michael Crichton stellt „Westworld“ sowohl die erste Regiearbeit als auch seinen Ur-“Jurassic Park“ dar. Beide Filme entfalten sich vor dem Hintergrund einer futuristischen Anlage, die es möglich macht, versunkene Welten nicht nur zu bestaunen, sondern zu erleben. Ein Holo-Deck ohne Hologramme – dafür mit echten Dinosauriern auf einer Insel oder wie im Falle „Westworld“ mit androiden Cowboys, Römern und Rittern in der künstlichen Stadt Delos. Dort treffen auch Peter (Richard Benjamin) und John (James Brolin) aufeinander. Sie entscheiden sich für den Western-Part und hoolen einmal quer durch das Szenario – das in seinen aufregenden Bildern der bespielbaren Historienkulisse bereits drohend die Vergeltung für all diese moderne Hybris in sich trägt.

Davon noch unbeleckt erschießen sie u. a. den finsteren Android Gunslinger (Yul Brynner) – ganz wie es der Spielspaß des Freizeitparks vorsieht – und haben (wie übrigens auch die Besucherinnen) zudem enthemmten bis skrupelhaften Sex mit reuelosen weil mechanischen Hookerbots, also Robotern mit elektrisch aufgepeppten Geschlechtsmerkmalen. So viel Wollust und Sünde kann zweifellos in einem regulären Spielfilm nicht ungesühnt bleiben und so erschüttert eine Fehlfunktion die dienstleistende Masse der Androiden und richtet sie nun gegen ihre Schöpfer. Wer aus Fleisch ist, wird abgeknallt oder mit dem Schwert zerdeppert. Der reaktivierte Gunslinger jagt explizit seine einstigen Mörder. Dabei hatten die doch nur Spaß gemacht!

Crichton spiegelt die Schwelle der sich kurz vor der digitalen Revolution befindlichen westlichen Gesellschaft wider. Techniklust und ungebremster Fortschrittsglaube reiben sich an der Demut, von einer solch obszönen Schöpfung eines Tages überrollt zu werden. Diese Dialektik verknappt sich in „Westworld“ in der Figur des Androiden. Dass die Entwicklung auf ihn zuläuft, scheint unzweifelhaft – fortschreitend automatisierte Fertigungsanlagen dokumentierten das bereits vor dreißig Jahren. Aber was danach? Haushaltshilfe oder Hölle?

Wo in früheren Filmen Roboter nur als Sidekick mit faszinierenden Funktionen den sense of wonder verkörperten, wachsen sie ab dem 70er-Sci-Fi sukzessive zu einer eigenen Kategorie. Signifikant dabei anfänglich noch das Pinocchio-Syndrom, das in den 80ern von der Figur des Data aus Star Trek zu einer Meisterschaft geführt wurde, die nicht nur in Nerdkreisen als unangefochten gilt. Jenen maschinellen Stoizismus übrigens lässt Brynners Darstellung des Rachecowboys sehr gut in dem Genre des wortkargen Westernhelds aufgehen. Auch nimmt der Angst-Sci-Fi des außer Kontrolle geratenen Parks mit seinem automatisierten Massenmord schon die völlige Negation des Individuums durch die Borgs vorweg. „Westworld“ ist eine kurzweilige Quellenstudie zu Motiven rund um die K. I. – und erlebte 1994 in der „Itchy- und Scratchy-Land“-Folge der Simpsons eine liebevolle Hommage.



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