Volver

E 2006

[R: Pedro Almodóvar; D: Penélope Cruz, Carmen Maura, Lola Dueñas; 29.07.]

17.07.2006, 08:00, Text: Sonja Eismann, Sonja Eismann

Volver“ heißt „zurückkehren“ – und für die ZuseherInnen bedeutet es in erster Instanz die fulminante Rückkehr von Penélope Cruz in einen Film von Pedro Almodóvar, der sie abseits von eher lauen Hollywood-Vorgaben toben und brillieren lässt. Die Handlung von „Volver“, umwerfend hyperrealistisch fotografiert, ist ähnlich kunstvoll verstrickt wie jene aus Almodóvars letztem Film „La Mala Educación“. In einer Art phantastischer Krimi-Familiengeschichte rund um eine kleine spanische Dorf-Community geht es um verschwundene, verstorbene und wiederauferstandene Mütter, geheime Liebschaften, Mord und natürlich immer wieder Schuld und Vergebung.

Almodóvar situiert diese ländliche Gemeinschaft, der der staubige Ostwind mitunter den Verstand zu rauben scheint, in der Region seiner Kindheit, La Mancha. Mit der Biographie der beiden Schwestern Raimunda (Cruz), Sole (Lola Dueñas) und vieler ihrer Nachbarinnen, die von den großzügigen, halb-offenen Dorfhäusern in klaustrophobische Madrider Vorstadtwohnungen abgewandert sind, spricht er auch das geschichtlich signifikante Phänomen der Landflucht und der damit besonders für die Frauen verbundenen Entbehrungen an. Und natürlich kehrt Almodóvar mit „Volver“ auch zu dem zurück, was er am besten kann: So konsequent wie nie zuvor entwirft er ein männerloses Universum.

Schon der atemberaubende Vorspann zeichnet eine wogende Choreographie Gräber-schrubbender Dorffrauen, die allesamt ihre Ehemänner überlebt haben und nun pragmatisch ihr Leben schultern, als sei nie etwas gewesen. Innerhalb dieses Matriarchats sind Männer höchstens störende, meistens aber insignifikante Nebenfiguren, die kurz auftauchen, um dann wieder ohne Nachhall zu verschwinden. Niemand fragt nach ihnen, und es können sogar Morde geschehen, ohne dass das Leben und Sterben dieser Männer irgendeine Konsequenz hätte. Diese Betonung des weiblichen Prinzips wird, in Almodovar’scher Manier campy und augenzwinkernd, zusätzlich dadurch verdeutlicht, dass neben Penélope Cruz auch ihr gewaltiger Busen eine Hauptrolle spielt. Dauernd umschleicht die Kamera ihr üppiges Dekolleté, um einmal auch radikal von oben reinzugucken und in einer Einstellung gegen Ende des Filmes wird diese Besessenheit als Metaverweis ironisch thematisiert, indem eine Figur die Frage ausspricht, die sich vermutlich alle ZuseherInnen stellen: ob sie denn schon immer so viel Busen gehabt habe. In einer anderen Szene irrt Raimundas Schwester Sole, vom Geist ihrer Mutter getrieben und verwirrt, durch ein Dorfhaus, in dem sich anlässlich eines Begräbnisses Trauernde versammelt haben. Zufällig platzt sie in einen Hof, der nur von Männern bevölkert ist, die sie als schweigende und völlig fremde Masse anblicken. Erst, als sie im Betzimmer der Frauen ist und von jeder der schwarz gekleideten Omis schmatzende Tripel-Küsse (ein stets wiederkehrendes, so lustiges wie rührendes Ritual) empfängt, beruhigt sie sich wieder. Ein konsequenter, witziger und bewegender Film – es ist schwer, sich einen besseren Almodóvar vorzustellen.



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