Die Quereinsteigerinnen

D 2005

[R: Rainer Knepperges und Christian Mrasek; D: Nina Proll, Claudia Basrawi, Mario Mentrup, Rainer Knepperges, Klaus Lembke; 17.08.]

17.07.2006, 08:00, Text: Barbara Schulz, Barbara Schulz

„Willst du das wirklich machen?“ fragt Katja vom Beifahrersitz aus ihre Freundin Barbara, die den Wagen fährt. Die zuckt mit den Achseln: „Tja – der merkt ja nix!“ Mit „der“ ist Harald Winter gemeint, Chef eines Telefonkonzerns, der im Fond des Wagens sitzt und sich aufs Wochenende freut. Und weder merkt, dass sein Handy aus dem Fenster fliegt, noch dass die Fahrt zu einem Wochenendhaus in einen Märchenwald führt. Erst als Barbara den Wagen parkt, ist Winter klar, dass das hier anders läuft als geplant. Natürlich will er sofort telefonieren. Nur: womit? Die jungen Frauen locken ihn ins Haus, kochen Kaffee und eine Tütensuppe. Als die Suppe „zufällig“ auf Winters Anzughose landet, schwant ihm, dass er entführt worden ist.

Seine Reaktion: „Egal, was Sie hier veranstalten, das ist nicht überzeugend!“ Denn als Chef erwartet er immer und überall Professionalität – auch bei seiner Entführung. Doch damit ist es nicht weit her. Als Barbara aus Versehen den für Winter bestimmten Kaffee samt Schlaftabletten trinkt, ist er erst fassungslos und später gerührt, denn erstens ist das hier auf eine seltsame Weise aufregend und zweitens gefällt ihm Barbara. Dazu kommt, dass die Forderung der Entführer ziemlich sympathisch ist: Winter kommt frei, wenn die Telefongesellschaft sämtliche der neuen grässlichen Telefonstangen durch alte gelbe Telefonzellen ersetzt. Wie süß! Es folgen unbeschwerte Tage. Katja und Barbara ziehen bunte 70er Jahre Kleider an, Herr Winter und der dritte Entführer, ein Ex-Freund von Katja namens Stefan, philosophieren am Lagerfeuer über die Zeit nach der Entführung, man vertreibt sich die Zeit mit Eierlikörtrinken, Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielen und lustigen Parties mit selbstgemachter Heimorgelmusik. Und zwischen Barbara und Harald Winter entspinnt sich eine zarte Verliebtheit. Als im Dorf kurz darauf eine gelbe Telefonzelle steht, scheint ihr Plan aufzugehen. Doch leider ist ihnen bereits der mit allen Wassern gewaschene Sonderermittler Korn dicht auf den Fersen.

Die der „Kölner Gruppe“ angehörenden Regisseure Rainer Knepperges (der selbst ganz famos den Chef spielt und das Drehbuch verfasste) und Christian Mrasek zeigen der jammernden deutschen Filmbranche, was eine Harke ist. Dazu brauchen sie nicht mehr als eine hanebüchene Geschichte, tolle Darsteller, gute Musik, einen originellen Drehort und eine Prise Situationskomik. „Die Quereinsteigerinnen“ ist ein unterhaltsamer und entspannter Film, der seine Zuschauer fröhlich jauchzend wieder ins Tageslicht entlässt. Viel besser als „Die fetten Jahre sind vorbei“ und ähnlich genial wie Helge-Schneider-Filme. Obwohl sich die Regisseure von einem anderen Film inspirieren ließen: „Running Out Of Cool“ (1999) von Kultregisseur Klaus Lemke (der übrigens kongenial den Korn gibt), der es nie in die Kinos schaffte. Vielleicht wird das ja noch, schließlich lief „Die Quereinsteigerinnen“ zunächst auf diversen Filmfestivals.



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