Dave Chappelle

Block Party. Ein bisschen Egomanie gehört dazu

29.07.2006, 11:00, Text: Heiko Behr

Es kam aus dem Nichts. Plötzlich nahm Harald Schmidt also seinen Hut, unangekündigt, ohne befriedigende Begründung. Und es ergoss sich eine gewaltige Welle über Deutschland: Das Feuilleton schwankte zwischen Heiligsprechung und Weltuntergangsszenarien, das Volk zeterte und verzweifelte. Mit einem Schlag gab es die deutsche Fernsehlandschaft – wie wir sie kannten – nicht mehr. So. Und jetzt potenzieren wir diese Hysterie und versuchen sie aufs Ursprungsland des Entertainments zu übertragen. Schon sind wir bei Dave Chappelle.

Der Aufstieg des heute 32-Jährigen ging rasend schnell. Schon in der Highschool stand er gerne auf der Bühne und entwickelte sich zum Stand-up-Comedian, einer in Deutschland nur extrem verwässerten Form der Improvisations-Unterhaltung. 1998 wurde er zum Underground-Star der Kiffer-Komödie “Half Baked”, die er zusammen mit Neal Brennan nicht nur schrieb, sondern auch produzierte. Ein kurzer Spot beim High-Class-Kabelsender HBO folgte. Schließlich ging seine eigene Personalityshow “Chappelle’s Show” im Spartensender Comedy Central (der z. B. auch “South Park” unter die Massen brachte) auf Sendung. Chappelle moderierte und alberte sich zwischen vorproduzierten Sketchen durchs Programm. So gering die Erwartungen aller Beteiligten waren und so bescheiden das Budget – er traf einen Nerv. Innerhalb von kürzester Zeit entwickelten sich die nachgeschobenen DVD-Zusammenstellungen zur bestverkauften TV-Serie ever in den USA.


Was also macht den Erfolg dieses dünnen, großen, afroamerikanischen Komikers aus? Chappelle hat den Weg gewählt, das US-Phänomen Political Correctness auszuhebeln, das als Minderheitenschutz begann und mittlerweile vom Mainstream gerne nur noch als gängelnd-penible Sprachregelung dargestellt wird. Er konzipierte eine Hand voll Stereotype und bürstete sie gegen den Strich: der blinde ultrarechte Ku-Klux-Klan-Anhänger Clayton Bigsby, der sich seiner eigenen schwarzen Hautfarbe nicht bewusst ist; der crackabhängige Tyrone Biggums, der mit hochgepitchter Stimme Schulkindern von den Vorteilen seiner Drogenabhängigkeit vorschwärmt; der Kokaindealer Tron, der mit seinen verspäteten Sklaven-Reparationszahlungen Babys einkauft – Chappelle arbeitet immer eng am Klischee und lässt Erwartungshaltungen so ins Leere laufen. Zu weltweitem Ruhm verhalf ihm seine Catchphrase “I’m Rick James, Bitch!”

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