Andrei Zvyagintsev

Die Rückkehr. Das Luftpumpen-System

24.04.2006, 08:00, Text: Sonja Eismann

Mit Andrei Zvyagintsev über seine Kunst zu sprechen ist ein wenig, wie Fragen in eine Sphinx zu rufen. Der gebürtige Sibirier, der mit seinem jetzt auf DVD erschienenen Debüt “Die Rückkehr” 2003 in Venedig den Goldenen Löwen gewann, inszeniert sich als einzelgängerischen, eigenbrötlerischen Künstler, der jede konkrete Auskunft über die Bedeutung seines Werks verweigert. Dabei war das Medieninteresse an diesem kompletten Außenseiter, der bis dato nur einige spielfilmhafte TV-Episoden inszeniert hatte, nach dem Erfolg in Venedig riesengroß. Zum einen, weil er seit Tarkovskys “Iwans Kindheit” 1962 der erste Russe war, der mit einem Debüt-Spielfilm die begehrte Trophäe einheimsen konnte.

Andererseits aber sicherlich auch, weil der strenge, karge Film mit seiner Geschichte eines aus dem Nirgendwo zu seinen zwei Söhnen zurückkehrenden, alttestamentarisch grausamen Vaters universell funktioniert, mit seinen Fragen nach Autorität und Rebellion, Religion und christlicher Mythologie, aber auch viele Themen aufreißt, die gerade im Westen als stellvertretend für ein neues und dabei doch altes Russland wahrgenommen werden. Bezeichnend, dass die Exegese seines Films, die ihm am meisten zusagt, von einem in puncto Filmwissenschaft völlig unbeleckten spanischen Priester stammt, dessen 100-seitiger Essay dem Regisseur zufolge hoffentlich auch bald auf Russisch übersetzt wird. Als ich ihn in dem lebhaften Café Donna Klara im angesagten Moskauer Viertel Patriarchie Prudi treffe, legt mir der zurückhaltende Regisseur, der mit mir nur via Übersetzerin kommunizieren kann, seine Position so dar: “Ich war jedes Mal enttäuscht, wenn ich Interviews mit anderen Regisseuren zu deren Filmen oder auch mit Schriftstellern über deren Bücher gelesen habe. Jeder sollte einen Film einflussfrei betrachten. Denn jedes Mal, wenn der Autor seine Meinung äußert, ist die Diskussion zu Ende. Dann ist alles klar. Und diese Klarheit macht Kunstwerke kleiner. In diesen Filmen habe ich viel mehr gesehen und bekommen, als wenn ich die Interviews gelesen habe. Daraufhin habe ich die Entscheidung getroffen, dass ich die Frage nicht beantworten werde, worüber mein Film ist.”

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