Gavin Hood

Tsotsi. Schuld und Sühne in Johannesburg

24.04.2006, 08:00, Text: Martin Riemann

“Seien wir ehrlich. Das Leben hat ihm ein paar ziemlich beschissene Würfel hingeschmissen.” So beschreibt Gavin Hood die Ausgangsposition von Tsotsi, dem Helden seines gleichnamigen, kürzlich Oscar-prämierten Films.

Tsotsi, überzeugend dargestellt von Newcomer Presley Chweneyagae, ist ein Antiheld, wie er im Buche steht. Das sieht man schon an dem bitteren Blick, den er in den ersten Minuten des Films seiner Gang zuwirft. Der Teenager und seine gleichaltrigen Komplizen haben tatsächlich keinen Grund zur Zufriedenheit. Allesamt in den katastrophalen Lebensumständen der Townships auf der Straße aufgewachsen, scheint ihr einziger Überlebensweg das Verbrechen zu sein.

Sie machen Streifzüge durch das nahe gelegene Johannesburg, picken sich Opfer heraus, überfallen sie und schrecken dabei auch nicht vor dem Mord an Wehrlosen zurück. Nachdem ein Mitglied seiner Gruppe Zweifel an dieser brutalen Vorgehensweise anmeldet, schlägt Tsotsi seinen Kritiker rücksichtslos zusammen und zieht alleine weiter. Nach ziellosem Herumirren ergibt sich für ihn die Möglichkeit, ein teures Auto zu rauben. Er schießt auf die ebenfalls dunkelhäutige Fahrerin und fährt mit seiner Beute davon, um kurze Zeit später festzustellen, dass sich im Heck des Wagens ein Säugling befindet. Tsotsi nimmt das Kind als Beute an sich und fasst den absurden Beschluss, sich künftig darum zu kümmern.

Gavin Hood ist sich der Problematik bewusst, die ein Charakter mit sich bringt, der so viele unsympathische Züge in sich vereint: “Im Grund genommen wollte ich austesten, wie weit sich ein Protagonist von seinem Publikum entfernen kann, bis eigentlich keine Möglichkeit mehr besteht, ihn zu mögen, um ihn genau dann wieder zu ihm zurückzubringen: Tsotsis extreme Handlungen sind deshalb wichtig, weil die Grundthemen meines Films die der Vergebung und Erlösung sind. Denn abseits seiner einfachen Geschichte stellt der Film dem Zuschauer eine sehr komplexe Frage, nämlich: bis zu welchem Grad wir in der Lage sind, jemandem seine Verbrechen zu vergeben?”

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