
Private
I 2003
[R: Saverio Costanzo, D: Moammed Bakri, Lior Miller, Tomer Russo; 18.05.]
24.04.2006, 17:43, Text:
Oliver Minck,
Oliver Minck
Zufluchtsort, Parallelwelt – was ein Kinosaal nicht alles sein kann. Im Falle von Saverio Costanzos Film “Private” verursacht der Blick auf die Leinwand in erster Linie Beklemmung: Das Haus einer sechsköpfigen Familie im Niemandsland zwischen einem palästinensischen Dorf und einem israelischen Militärstützpunkt ist zum Gefängnis geworden. Es wurde besetzt vom israelischen Militär. Familienpatriarch Mohamed weigert sich jedoch, sein Heim zu verlassen, und überredet seine Familie zum passiven Widerstand. Die Soldaten richten sich im oberen Stockwerk ein, Mohameds Familie bekommt den unteren Stock zugewiesen und wird Nacht für Nacht im Wohnzimmer eingeschlossen.
“Private” ist angelehnt an eine wahre Begebenheit. Um den authentischen Feel zu unterstreichen, inszeniert Costanzo seinen Film als eine Art Doku-Drama mit wackeliger DV-Kamera. Was seine Wirkung nicht verfehlt. Man wird zum Zeugen dessen, was unmittelbar zu passieren scheint: Als sich zum Beispiel die älteste Tochter Mariam im Schrank versteckt, um die Soldaten zu bespitzeln, übernimmt die Kamera ihr beengtes subjektives Sichtfeld aus dem Türschlitz heraus. Damit die Aufmerksamkeit der Soldaten nicht erreget wird, meint man als Zuschauer, selbst den Atem anhalten zu müssen. Costanzo macht aus dem hochgradig komplexen Nah-Ost-Konflikt ein Kammerspiel und sorgt durch diese Mikroperspektive zumindest für verhaltenspsychologische Erklärungsansätze. Eine bemerkenswerte Leistung.
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