Kabale Und Liebe

D 2005

[R: Leander Haußmann; D: Götz George, August Diehl, Georg Friedrich, Ignaz Kirchner, Katharina Thalbach, Katja Flint; 18.05.]

24.04.2006, 17:30, Text: Martin Riemann, Martin Riemann

Man hört ja oft, dass die großen Klassiker schon alles hatten, was auch heute noch einen guten Kinofilm ausmacht. Dabei ist leider oft der Wunsch der Vater des Gedanken, dass es ein Leichtes sein sollte, mit den Mechanismen des modernen Unterhaltungsfilms ein wenig Kultur unter das Publikum zu schmuggeln. Die Ingredienzien, mit denen man früher die Zuschauer in die Theater zog, sind auch teilweise tatsächlich dieselben, die heute Filme wie “Der Herr Der Ringe” zu Kassenknüllern werden lassen: Liebe, Intrigen, tyrannische Despoten, Ränke schmiedende Bösewichter und Giftmord. Insofern war die Idee einer Verfilmung des berühmten Trauerspiels von Schiller, zumal in dessen Ehrenjahr, sicherlich nicht unklug.

Auch die Wahl des Regisseurs ist eine gute Entscheidung. Leander Haußmann ist zum einen durch seine Theaterinszenierungen zu großem Ruhm gekommen und hat gleichzeitig mit Komödien wie “Sonnenallee” oder “Herr Lehmann” bewiesen, dass er auch in dieser Branche in der Lage ist, das Mittelfeld meilenweit hinter sich zu lassen. Haußmann trumpft dann auch zu Beginn von “Kabale Und Liebe” mit gewohntem Schwung auf und präsentiert die Exposition der Charaktere sehr lebhaft und mit einem unleugbaren Sinn für deren komische Qualitäten. Dass von “trockener Schullektüre” hier tatsächlich nichts zu spüren ist, verdankt dieser flotte Anfang auch der Spielfreude der, bis auf wenige Ausnahmen, exzellenten Darstellerriege, die ihre Originaltexte mit umgangssprachlicher Gewandtheit darbietet. Durch das Tempo und die Energie verzeiht man zunächst auch formale Schwächen, schließlich ist das hier ja ein Fernsehfilm, und solange sich die beschränkten cinematografischen Bedingungen dezent im Hintergrund halten, reichen zudem die erstaunliche Ausstattung und die sehenswert detaillierten Kostüme, um solche Kritik beiseite zu fegen. Leider aber versucht Haußmann scheinbar aus der Not eine Tugend zu machen und beginnt, den Stoff mit fortschreitender Tragik durch einen unausgewogenen Guerilla-Style zu pushen. Die filmische Darstellung verliert jegliche Form und daddelt zwischen schräger Quadrierung, Jump-Cuts, zittriger “Dogma-Kamera”, extremen Close-ups und unmotivierten Zeitlupen hin und her, als hätte sich ein ganzer Grundkurs Kameratechnik an den Dreharbeiten beteiligt. Haußmann vertraut hier letztendlich scheinbar weder seinen Darstellern noch der Story, denn er hält es fatalerweise für nötig, die zunehmende Verzweiflung der Figuren mit diesem ungeschickten Tischfeuerwerk der Technik zu verdeutlichen. Warum hier derart mit der Brechstange der Gestus von Modernität verbreitet werden soll, ist wirklich rätselhaft. Genauso abwegig wie der kühne Plan, den Film in die Kinos zu bringen, wo er absolut nichts verloren hat. Im Fernsehen sollte man ihn sich aber ruhig mal anschauen.



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