Mad Hot Ballroom

USA 2005

27.03.2006, 15:56, Text: Martin Riemann, Martin Riemann

R: Marilyn Agrelo; P: Marilyn Agrelo & Amy Sewell; Paramount Home Entertainment

Diese liebevolle Dokumentation aus New York war einer der Überraschungserfolge des letzten Jahres. Kein Wunder, beschäftigt sie sich doch mit einem der essenziellen Themen des Kinos, nämlich dem Erlernen einer Fähigkeit bis zur Meisterschaft. Ein New Yorker Schulprojekt ermöglicht es Kindern zwischen acht und zehn, an einem zehnwöchigen Intensivkurs in \"Ballroom Dancing\" teilzunehmen, der im \"Rainbow Team Match\", einem Tanzwettbewerb, seinen krönenden Abschluss findet.

Marilyn Agrelo begleitet in \"Mad Hot Ballroom\" den Werdegang drei verschiedener Klassen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten und schafft es mit Leichtigkeit, Arm und Reich wenigstens im Tanz miteinander zu vereinen.

Für die kleinen Tanzschüler ist nämlich \"dabei sein\" keineswegs alles, sie wollen unbedingt den Preis für ihre Schule holen. So rücken Tango, Rumba, Foxtrott, Swing und Merengue in den Mittelpunkt ihres Lebens. Da man zu diesen Tänzen immer einen Partner braucht, tritt für viele der Adepten erstmals ein weiteres Novum in ihre Welt: die Auseinandersetzung mit dem anderen Geschlecht! Und daraus zieht sich der eigentliche Charme dieser humorvollen Wettkampfbeobachtung, denn beim Gesellschaftstanz sind nicht nur die richtigen Schritte von Bedeutung, sondern Respekt, Höflichkeit und die Bereitschaft zum hemmungslosen Flirten sind ebenso wichtig und gehen in die Punktzählung mit ein. \"Schaut euch in die Augen, als wäre es das letzte Mal!\" ruft dann auch einer der Tanzlehrer den Paaren im Unterricht zu. \"Legt all eure Gefühle in diesen Blick.\" Diese Befehle bescheren dem Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes einige der schönsten Augenblicke, die man seit langem zu sehen bekam. Die Palette reicht vom krampfhaften Gezwinker über hypnotisches Starren bis zu magischer Eintracht. Neben den Tanzstunden gibt der Film einen Einblick in die tatsächlichen Lebensverhältnisse der Kinder, deren Perspektiven vom zukünftigen Architekten bis zum Drogendealer reichen. Wie in jedem guten Hollywoodfilm bildet der abschließende Wettkampf den Höhepunkt ihrer Bemühungen bzw. die Enttäuschung all ihrer Hoffnungen. Niedlichkeit und guter Willen spielen keine Rolle, ausschließlich das Können zählt. Agrelos Film macht niemals einen Hehl daraus, dass es für den Rest des Lebens dieser kleinen Tänzer so weitergehen wird. Zu Recht erscheint \"Mad Hot Ballroom\" übrigens in der neuen Reihe \"Fine Films\" von Paramount Home Entertainment, in der zuvor schon neue sowie klassische Asse wie \"Somersault\", \"Der Mieter\" und \"Schau Mich An!\" erschienen sind. So qualitätsbedacht soll es auch in Zukunft weitergehen, denn die selbst auferlegten \"Gütekriterien\" beinhalten nicht nur das Beharren auf das Überzeugen von Regie, Drehbuch und Cast, sondern berücksichtigen auch das Pressefeedback und das Abschneiden auf internationalen Festivals. Quasi als Bestätigung der Linie soll, nach 16 bereits erschienenen Titeln, im nächsten Monat Bertrand Taverniers \"Holy Lola\" folgen.



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