
Idioten
DK 1998
27.03.2006, 15:44, Text:
Martin Büsser,
Martin Büsser
R: Lars von Trier; D: Bodil Jorgensen, Jens Albinus; Arthaus / Kinowelt
Heute spricht kaum mehr jemand von \"Dogma 95\", jenem vollmundigen Versuch europäischer Regisseure, das Autorenkino durch ein selbst auferlegtes \"Keuschheitsgelübde\" neu zu erfinden. Als \"Rettungsaktion\" hatte Lars von Trier das Manifest seinerzeit bezeichnet, beinahe selbstredend gegen Hollywood gerichtet und damit implizit gegen jenes Amerika, das von Trier in seinen jüngeren Filmen von innen heraus angreift, nachdem \"Dogma 95\" es nicht hatte stürzen können. Das Manifest strotzte vor pubertären Äußerungen, etwa der, dass die Novelle Vague nur eine \"kleine Welle\" gewesen sei, die längst versickert ist.
Dogma wollte laut Lars von Trier \"antibürgerliches\" Kino sein. Dies ist Thomas Vinterberg mit dem ersten Dogma-Film \"Das Fest\" (1998) durchaus noch gelungen: Sein Film ist eine intensive, an den Nerven zehrende Demontage der bürgerlichen Familie. Doch schon \"Idioten\" lässt sich nicht mehr so einfach deuten, denn so sehr die Gruppe dem Impuls folgt, \"Spießer\" zu schocken, entpuppt sich ihr eigenes Verhalten im Laufe des Films als ebenso zwanghaft und an Regeln gebunden. Die Komplexität macht die Stärke des Films aus, der nun als Doppel-DVD mit umfangreichem Bonusmaterial zur Dogma-Gruppe erscheint und beweist, dass nicht der Dogma-Stempel, sondern das Drehbuch über die Qualität eines Films entscheidet.
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