Inside Man

USA 2006

27.03.2006, 13:40, Text: Paula Fuchs, Paula Fuchs

R: Spike Lee; D: Denzel Washington, Jodie Foster, Clive Owen; 23.03.

Es gibt keinen Logikfehler in Spike Lees \"Inside Man\". Obwohl gerade diese Blockbuster-Produktion für einen solchen Makel prädestiniert scheint, ergibt sich jederzeit ein schlüssiges Bild. Zweifel angesagt? Zunächst mal kann der Coup nicht gelingen: Ein maskierter Malertrupp stürmt eine New Yorker Bank und nimmt mehr als ein Dutzend Geiseln.

Natürlich wissen wir schon vorher, dass es sich um einen Film mit Clou oder Killer Twist oder unerwarteter Wendung handelt - was man seit den sinnarmen und erklärungsbedürftigen Bilderrätseln von M.

Night Shyamalan (\"The Sixth Sense\") kaum mehr sehen mag. Spike Lee auf Abwegen? Sein Spiel mit den filmischen Möglichkeiten bleibt zum Glück nie wirklich auf den Plot beschränkt. Die reingeschnittenen Verhöre mit den Geiseln machen parallel zu den laufenden Verhandlungen zwischen Polizei und Tätern klar, dass die Gangster unerkannt entkommen werden. Der psychologische Trick: Ein Teil der Surprise wird gegen ein Stück Suspense eingetauscht. Dazu kommt eine Prise Whodunnit.

Ganz nebenbei bleibt der herausragende Vertreter afroamerikanischen Kinos in Hollywood auf dem Pfad, den er spätestens mit seinem schwermütigen 9/11-Film \"25th Hour\" eingeschlagen hat. Es geht ihm um die Auseinandersetzung mit der \"Multikulturalität\" und gesellschaftlichen Zerrissenheit New York Citys, also um Schein und Wirklichkeit in dieser Stadt - besonders nach den Anschlägen. Die Abwesenheit der Türme bleibt präsent, die Dialoge setzen kleine Spitzen. Zudem verweist \"Inside Man\" auf Spike Lees Gesamtwerk, so selbstverständlich, wie tragende und nicht so tragende Rollen von schwarzen Schauspielern besetzt werden. Und wer jetzt mault, dass gerade Denzel Washington den Detective John Frazier mimt, darf mit der Begründung motzen, dass es wie in Joel Schumachers \"Phone Booth\" Forest Whitaker hätte sein können - oder zur Abwechslung eine Frau.

Das starke Weib in dieser Konstruktion aber ist als weißer Mann verkleidet. Jodie Foster spielt einen tough guy im Business-Kostüm. Beim Gedanken- und Muskelspiel ist sie dem aufrechten Bullen mindestens ebenbürtig. Man respektiert sich. Die Waffen einer black lady werden erst in der Schlussszene gezückt. Als die Moral schon längst im Sack ist, schlägt die Zeit für die Liebe. Aber kein Sex vor der Kamera.

Der Witz der Strategie der Bankräuber ist passend dazu die Verhüllung: Alle Geiseln müssen die gleichen Klamotten wie sie tragen. Polizei und Zuschauer können also im Showdown die \"Guten\" nicht mehr von den \"Bösen\" unterscheiden. Eine Idee mit Hang zur Allegorie. Wenn der Abspann läuft, werden wir uns fragen, ob die Geiselnehmer doch noch mehr Komplizen in der Bank hatten. Allerdings werden wir wissen, woher die Leichen im Keller stammen. Und die Szene, in der Clive Owen als Kopf der Bande und die jüngste Geisel, ein Junge aus Brooklyn, sich im prallvollen Tresorraum über 50 Cents Philosophie unterhalten, wird uns nachgehen, weil die Unterhaltung moralisch ist, das Bild aber politisch. Im Kino sollte das logisch sein.



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