Komm Näher

D 2006

03.03.2006, 16:05, Text: Oliver Minck, Oliver Minck

R: Vanessa Jopp; D: Meret Becker, Stefanie Stappenbeck, Marek Harloff; 16.03.

Mit \"Vergiss Amerika\" landete Vanessa Jopp 2000 einen Überraschungserfolg und wurde auf Anhieb in die Liga der hoffnungsvollen deutschen NachwuchsregisseurInnen katapultiert. \"Engel Und Joe\" hätte 2001 dann ein echter Blockbuster werden sollen. Das melodramatisch überzeichnete Jugenddrama fiel bei Kritik und Publikum aber komplett durch und brachte nicht nur Jopps Karriere ins Straucheln, sondern auch die der Jungstars Robert Stadlober und Jana Pallaske. Fünf Jahre später betätigt Jopp sozusagen den Reset-Schalter: \"Komm Näher\" ist ein ganz und gar unprätentiöser Film.

Ein sozialrealistisches Drama im Geiste von Andreas Dresens \"Halbe Treppe\". Während Dresen Alltagstristesse jedoch abfedert mit Galgenhumor und Selbstironie, nimmt in \"Komm Näher\" das Elend seinen Lauf wie ein langer, schwarzer Fluss. Jopp erzählt von gestörten Beziehungskonstellationen, bei denen das Näherkommen ständig scheitert. Die Protagonisten sind zwar allesamt lose miteinander verknüpft, letztlich werden aber drei voneinander unabhängige Geschichten erzählt: die des jungen, sich voneinander entfremdenden Akademikerpärchens; die der verhärmten, sich nach Liebe sehnenden Putzfrau und ihrer jähzornigen Tochter; und die der Borderline-kranken jungen Frau, die sich in einen Polizisten verliebt. Jopp streut immer wieder Hoffnungsschimmer, die sie im nächsten Augenblick jäh zerplatzen lässt. Mal hat der eine die Oberhand in der Beziehung, dann kippt die Situation, und der andere dominiert. Ein Miteinander ergibt sich höchstens aus der gemeinsamen Verletzung durch einen dritten. Schlussendlich sind Jopps Figuren allesamt armselige Kreaturen. Ob die Regisseurin das wirklich gewollt hat?



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aus Intro #136 (März 2006)
 
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