
Transamerica
USA 2005
03.03.2006, 16:01, Text:
Sonja Eismann,
Sonja Eismann
R: Duncan Tucker; D: Felicity Huffman, Kevin Zegers, Graham Greene; 16.03.
Für all jene, die \"Desperate Housewives\" mit ihren überstilisierten Weiblichkeitsmythen schon immer für eine schlecht kaschierte Drag-Performance hielten, kommt \"Transamerica\" jetzt gerade recht. Felicity Huffman, als frustrierte Nur-Mutter in der Hausfrauenserie berühmt geworden, spielt in \"Transamerica\" die konservative Transsexuelle Bree, die kurz vor ihrer operativen finalen Geschlechtsumwandlung von Mann zu Frau steht. Doch ein unerwarteter Anruf rüttelt ihre mühsam geordnete, unspektakuläre Existenz in der Anonymität von L.A.
Das Spektakulärste bzw. Hervorstechendste an diesem Film ist die Optik seiner zentralen Figur: Die überzeugende Darstellung eines Man-to-Woman-Transsexuellen, der von einer biologischen Frau gespielt wird, ist per se schon der Stoff, aus dem Oscar-Nominierungen gemacht werden. Aber wie Huffman, die bei \"Desperate Housewives\" mit ihren kantigen Zügen als Einzige aus der gespenstisch ultrafemininen Perfekto-Riege ausbricht, die leicht unsichere und dabei doch steif überaffirmative Inszenierung von Weiblichkeit als solche sichtbar macht, ist verblüffend. Der Film wandelt dabei auf dem Grat zwischen Problem- und Feel-Good-Kino, zwischen Ernsthaftigkeit und Witz, zwischen Mainstream-Anforderungen und Indie-Bedürfnissen und gibt sich als Hybrid aus Coming-of-Age- und Road-Movie. Die Message (\"I might inhabit the wrong body, but there is nothing wrong with my soul\") ist, wie auch nicht, von Anfang an klar und wird anhand diversester Widrigkeiten getestet und gestärkt. Abseits der für Spannungen sorgenden ungewöhnlichen Familiensituation ist es besonders die Juxtaposition der unterdrückten Transen-Sexualität und der Körperpolitik des Teenagers, der seinen missbrauchten jugendlichen Body achtlos als harte Währung einsetzt, die das Spezielle des Films ausmacht. Der Körper des Jungen wird von der Kamera als schwitziges Pin-up-Motiv umschmeichelt, während der sorgfältig konstruierte Frauenkörper Brees als Festung gezeigt wird. Was wie eine Hierarchisierung von Natürlichkeit versus Künstlichkeit wirken könnte, ist letztlich eine Verschiebung des (männlichen) Blicks und ein Auflösen von Stereotypen. Bree ist nicht die übersexualisierte Show-Girl-Transe im Federfummel, sondern eine biedere Frau mit kleinbürgerlichen Wertvorstellungen, der der Drogenkonsum des Sohns arg zu schaffen macht. Das ist zwar auch noch keine Revolution, aber immerhin schon mal etwas.
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