
Elementarteilchen
D 2005
03.03.2006, 15:59, Text:
Dörte Miosga,
Dörte Miosga
R: Oskar Roehler; D: Moritz Bleibtreu, Christian Ulmen, Franka Potente, Uwe Ochsenknecht, Corinna Harfouch; 23.02.
\"Die Wahrheit ist wie ein Elementarteilchen, sie kann nicht weiter zerlegt werden\", weiß Michael, der sich generell mehr um seine Karriere als Genforscher kümmert als um sein Privatleben. Denn dort wartet die alte Schulfreundin Anabelle seit ihrer frühen Kindheit auf den verklemmten Mathematik-Freak. Michael hat einen Halbbruder, der ein gänzlich anderes Verhältnis zum weiblichen Geschlecht pflegt: Da die Zellulitis und die Schwangerschaftsstreifen seiner Frau ihn abturnen, versucht sich Deutsch-Lehrer Bruno an frühreifen Schülerinnen.
Regisseur Oskar Roehler hat sich mit Produzent Bernd Eichinger und einer Starbesetzung von Christian Ulmen über Moritz Bleibtreu bis zu Franka Potente und Nina Hoss des Bestsellers von Michel Houellebecq angenommen. Sie haben den Romanstoff als Handlungsgerüst für einen deutschen Film genutzt und das Geschehen von Paris nach Berlin verlagert. Buch und Film haben ein gemeinsames Anliegen: Die Libido steht hier im Zentrum des Universums, ist Motor allen Handelns, ursächlich für Kriege und alle anderen Arten der Aggression verantwortlich. Das Beste wäre, wir würden uns dieser lästigen Sexualität ein für allemal entledigen, und genau das versucht Molekularbiologe Michael: \"Der Mensch, über den wir hier sprechen, wird sich ohne Sexualität fortpflanzen - und alle damit zusammenhängenden Konflikte werden verschwinden.\" Mit der Frage nach der Bedeutung von Sex, mit der inneren Leere und Sehnsucht seiner Protagonisten scheint der konservative Tabubrecher Houellebecq einen Nerv der Zeit getroffen zu haben, nur so erklärt sich der Erfolg seiner stets skandalumwitterten Bücher. Dennoch bleibt die Identifikation mit den mit Geschlechterklischees überfrachteten Charakteren aus: Brunos Geliebte sitzt aufgrund einer unheilbaren Krankheit im Rollstuhl, und obwohl er in ihr die große Liebe sieht, läuft er vor dem \"Leben mit einem Krüppel\" davon. Brunos innere Leere ist so hässlich, dass man nichts mit ihr zu tun haben will. Und so lässt man auch sein Leiden nicht wirklich an sich heran. Wie für Kriegsverbrecher oder Vergewaltiger bleibt als einziges Gefühl nicht einmal Mitleid, sondern nur Abscheu. In dieser Hinsicht sind Filmadaption und Roman identisch: Sie schaffen es nicht, Mitgefühl zu wecken. Und dies ist wohl die einzige Erkenntnis, die aus diesem Film gezogen werden kann.
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