
Brokeback Mountain
USA 2005
03.03.2006, 15:52, Text:
Jasper Nicolaisen,
Jasper Nicolaisen
[25 Kommentare]
R: Ang Lee; D: Heath Ledger, Jake Gyllenhaal, Michelle Williams; 09.03.
Einen Sommer lang hüten Ennis del Mar und Jack Twist gemeinsam Schafe auf Brokeback Mountain. Sie verlieben sich ineinander und erhalten auch als verheiratete Familienväter ihre Beziehung aufrecht. Erst als Jack stirbt, berühren sich zaghaft die Welten, die alle Beteiligten über Jahrzehnte für unvereinbar hielten. Jacks letzter Wunsch, seine Asche möge auf Brokeback Mountain verstreut werden, lässt den Geliebten, der den Ort kennt, und die Ehefrau, die die Asche besitzt, für einen unerträglichen, sprachlosen Moment am Telefon erkennen, was zwischen ihnen beiden und Jack immer fehlen musste: Freiheit und sexuelle Erfüllung einerseits, Verbindlichkeit und Gemeinsamkeit andererseits.
Es ist das große Verdienst dieses Films, die Klischees in den Köpfen des Publikums anzusprechen, ohne ihnen zum Opfer zu fallen. Schwule Cowboyliebe vor urmännlicher Bergkulisse schmeckt nicht nur nach Freiheit und Abenteuer, das Heim mit Frau und Kindern ist nicht nur Gefängnis der Konvention, hier zerstören keine bisexuellen Monster heile Familienwelten. \"Brokeback Mountain\" lässt alle Figuren zu ihrem Recht kommen: die beiden Männer, ihre Ehefrauen und ihre Kinder. Das exzellente Drehbuch bewegt sich in großen Zeitsprüngen über eine Distanz von 20 Jahren, während derer die beiden Männer aus ihren Ehen immer wieder gemeinsam in die Bergeinsamkeit fliehen. In stark verdichteten Szenen erscheint schlaglichtartig, wie beschädigt alle auftauchenden Beziehungsmodelle sind. So entsteht mehr als ein \"schwuler Film\" - Ang Lee zeigt die Unmöglichkeit für alle seine Protagonisten, überhaupt selbstbestimmt jenseits von Konventionen zu lieben.
Allein, was das Falsche ausmacht, das das richtige Leben verhindert, wird allenfalls angedeutet. Im Einklang mit den Konventionen des Hollywoodkinos ist Liebe hier eine reine Privatangelegenheit, und die Lebenswelt der Protagonisten erscheint genauso naturgegeben und unveränderlich wie Brokeback Mountain. Die engen Wohnungen voller Zigarettenrauch, die selbstverständliche Doppelbelastung der Frauen mit Job und Kind, der Machismo der Männer, der Kleinkrieg um Autorität in der Familie: all das wird eher gezeigt als thematisiert. Als Antwort auf Jacks Wunsch nach einem gemeinsamen Leben berichtet Ennis eine Kindheitserinnerung. Der Vater zwingt ihn, die Leiche eines brutal ermordeten Mannes zu betrachten, der in der Gemeinde als schwul gilt. Woher aber kommt die Gewalt? Etwas von den gesellschaftlichen Umständen deutlicher auf die Beziehungen der ProtagonistInnen zu beziehen und Gründe zu benennen, unternimmt der Film nur am Rande und will vielleicht etwas zu zurückhaltend erzählen. Trotzdem unbedingt sehenswert, und verdient auch der Goldene Löwe in Cannes und die Golden Globes: wegen der beeindruckenden schauspielerischen Leistungen des gesamten Ensembles, der überlegten Erzählweise und des präzisen Blicks auf Beziehungsräume.
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streetpreacher 06.03.2006 | 14:06:37
@jasper nicolaisen:
schon mal etwas von spoilern gehört??
auch wenn's bei brokeback mountain nicht ganz so schlimm ist wie bei anderen filmen, finde ich es doch etwas dämlich den gesamten filminhalt inklusive schluss in ein review zu setzen!
demnächst bitte nur noch platten rezensieren, da kann man auch nicht so viel falsch machen!
streetpreacher 06.03.2006 | 14:06:37
@jasper nicolaisen:
schon mal etwas von spoilern gehört??
auch wenn's bei brokeback mountain nicht ganz so schlimm ist wie bei anderen filmen, finde ich es doch etwas dämlich den gesamten filminhalt inklusive schluss in ein review zu setzen!
demnächst bitte nur noch platten rezensieren, da kann man auch nicht so viel falsch machen!
JasperNicolaisen 06.03.2006 | 20:59:14
Das junge Soul-Wunder
Tut mir leid, wenn ich dir die Spannung genommen habe. Allerdings gibt es in dem Film wirklich noch einiges zu entdecken, was in der Besprechung nicht vorkommt, und zum anderen fand ich BM nicht derart auf ein überraschendes Ende hin konstruiert, dass ich den Handlungsverlauf in groben Zügen nicht hätte preisgeben dürfen. Ich hoffe, du hast aus der Rezension trotzdem noch etwas wissenswertes erfahren - und natürlich Spass an diesem schönen Film! Platten hab ich übrigens fürs INTRO noch nie besprochen, aber falls es mal dazu kommt, verrat ich das Ende nicht, versprochen.
JasperNicolaisen 06.03.2006 | 20:59:14
Das junge Soul-Wunder
Tut mir leid, wenn ich dir die Spannung genommen habe. Allerdings gibt es in dem Film wirklich noch einiges zu entdecken, was in der Besprechung nicht vorkommt, und zum anderen fand ich BM nicht derart auf ein überraschendes Ende hin konstruiert, dass ich den Handlungsverlauf in groben Zügen nicht hätte preisgeben dürfen. Ich hoffe, du hast aus der Rezension trotzdem noch etwas wissenswertes erfahren - und natürlich Spass an diesem schönen Film! Platten hab ich übrigens fürs INTRO noch nie besprochen, aber falls es mal dazu kommt, verrat ich das Ende nicht, versprochen.
streetpreacher 07.03.2006 | 13:44:16
naja, wie gesagt, bei brokeback mountain ist es jetzt nicht so tragisch den schluss vor dem kinobesuch zu kennen, wie beispielsweise bei fight club oder irgendeinem krimi oder thriller
trotzdem find ich es etwas übertrieben in den ersten paar sätzen zu erwähnen wer eine knappe viertelstunde vor filmende stirbt
streetpreacher 07.03.2006 | 13:44:16
naja, wie gesagt, bei brokeback mountain ist es jetzt nicht so tragisch den schluss vor dem kinobesuch zu kennen, wie beispielsweise bei fight club oder irgendeinem krimi oder thriller
trotzdem find ich es etwas übertrieben in den ersten paar sätzen zu erwähnen wer eine knappe viertelstunde vor filmende stirbt
streetpreacher 07.03.2006 | 18:59:32
meine güte, hab ich etwa die letzten 15 minuten des films ausführlich in ein review getippt, dass in ner zeitschrift mit ner vergleichsweisen hohen auflage in ganz deutschland rumliegt?
nein!
das der film kein happy end hat, kann man sich denken und da überall von dem tragischen verlauf der geschichte berichtet wird, kann man sich auch denken, dass jemand stirbt.
lange bevor ich den film gesehen hab, war mir auch schon relativ klar, was da wohl am schluss in etwa passiert, nur natürlich nicht so detailliert wie im review besprochen.
vielleicht rede ich ja auch von jemandem den du gar nicht vermutest :P ich hab schließlich keine namen genannt
streetpreacher 07.03.2006 | 18:59:32
meine güte, hab ich etwa die letzten 15 minuten des films ausführlich in ein review getippt, dass in ner zeitschrift mit ner vergleichsweisen hohen auflage in ganz deutschland rumliegt?
nein!
das der film kein happy end hat, kann man sich denken und da überall von dem tragischen verlauf der geschichte berichtet wird, kann man sich auch denken, dass jemand stirbt.
lange bevor ich den film gesehen hab, war mir auch schon relativ klar, was da wohl am schluss in etwa passiert, nur natürlich nicht so detailliert wie im review besprochen.
vielleicht rede ich ja auch von jemandem den du gar nicht vermutest :P ich hab schließlich keine namen genannt
qwert_zuiopü 08.03.2006 | 11:06:59
also ich bin froh, dass ich den artikel erst jetzt gelesen hab nachdem ich den film schon kenne. und ob ein ende nun überraschend ist oder nicht, ich finde man kann auch eine kritik schreiben ohne in den ersten zeilen zu schreiben wie der film ausgeht... ;)
qwert_zuiopü 08.03.2006 | 11:06:59
also ich bin froh, dass ich den artikel erst jetzt gelesen hab nachdem ich den film schon kenne. und ob ein ende nun überraschend ist oder nicht, ich finde man kann auch eine kritik schreiben ohne in den ersten zeilen zu schreiben wie der film ausgeht... ;)
chronomancer 08.03.2006 | 11:33:43
Volle Zustimmung, außerdem wie streetpreacher sagt: vielleicht stirbt ja wer mit dem man gar nicht rechnen. Etwa Jen. Deren Baby geht dann erst an die erzkatholische Grandma und dann an Highschoollehrer Jack und seinen schwulen Sherifffreund. Dann entführt es aber Dawson nach Hollywood und schenkt es Josephine Potter, welche das Kind direkt den Außerirdischen als Wirtskörper darbietet, was dann Scientology und Tom Cruise wiederum in den Wahnsinn treibt und welche letztlich von Pacey zu Tode gekocht werden...
Ok, genug gespoilert. ;)
chronomancer 08.03.2006 | 11:33:43
Volle Zustimmung, außerdem wie streetpreacher sagt: vielleicht stirbt ja wer mit dem man gar nicht rechnen. Etwa Jen. Deren Baby geht dann erst an die erzkatholische Grandma und dann an Highschoollehrer Jack und seinen schwulen Sherifffreund. Dann entführt es aber Dawson nach Hollywood und schenkt es Josephine Potter, welche das Kind direkt den Außerirdischen als Wirtskörper darbietet, was dann Scientology und Tom Cruise wiederum in den Wahnsinn treibt und welche letztlich von Pacey zu Tode gekocht werden...
Ok, genug gespoilert. ;)
streetpreacher 08.03.2006 | 12:34:06
was mich an der kritik halt besonders stört ist, dass eigentlich so gut wie überhaupt nix aus den ersten zwei stunden des films erzählt wird.
das es um schwule cowboys geht wissen ja wahrscheinlich 99% der menschen die ins kino gehen, ansonsten wird nur stoff der letzten 15-20 minuten erwähnt, das find ich halt etwas unlogisch, sorry ;)
streetpreacher 08.03.2006 | 12:34:06
was mich an der kritik halt besonders stört ist, dass eigentlich so gut wie überhaupt nix aus den ersten zwei stunden des films erzählt wird.
das es um schwule cowboys geht wissen ja wahrscheinlich 99% der menschen die ins kino gehen, ansonsten wird nur stoff der letzten 15-20 minuten erwähnt, das find ich halt etwas unlogisch, sorry ;)
Vlad 08.03.2006 | 16:37:13
losing my edge
@streetpreacher
Wer sich über Spoiler aufregt und es dann unbestreitbar selber tut, sollte sich vielleicht eher entschuldigen anstatt den Verständnislosen zu makieren.
Und was ist nun schlimmer "den gesamten filminhalt inklusive schluss in ein review zu setzen" oder "dass eigentlich so gut wie überhaupt nix aus den ersten zwei stunden des films erzählt wird"?
Vlad 08.03.2006 | 16:37:13
losing my edge
@streetpreacher
Wer sich über Spoiler aufregt und es dann unbestreitbar selber tut, sollte sich vielleicht eher entschuldigen anstatt den Verständnislosen zu makieren.
Und was ist nun schlimmer "den gesamten filminhalt inklusive schluss in ein review zu setzen" oder "dass eigentlich so gut wie überhaupt nix aus den ersten zwei stunden des films erzählt wird"?
streetpreacher 08.03.2006 | 16:59:43
mag sein, dass ich auch gespoilert hab und das das nicht in ordnung ist, aber ich schreib auch keine reviews für ne zeitschrift! das macht die sache natürlich nicht besser, aber ich finde da sollte man schon eher aufpassen als in nem forum! und wie gesagt, im gegensatz zum autor habe ich auch keine namen genannt
den zweiten teil deines posts versteh ich ehrlich gesagt nicht, schließen sich die beiden argumente denn gegenseitig aus?
nochmal zum mitschreiben:
ich finde es etwas seltsam, die ersten zwei stunden eines films fast komplett unbetrachtet zu lassen, stattdessen aber die letzten 15 minuten (im vergleich zur gesamtlänge der inhaltsangabe) extrem ausführlich zu beschreiben
streetpreacher 08.03.2006 | 16:59:43
mag sein, dass ich auch gespoilert hab und das das nicht in ordnung ist, aber ich schreib auch keine reviews für ne zeitschrift! das macht die sache natürlich nicht besser, aber ich finde da sollte man schon eher aufpassen als in nem forum! und wie gesagt, im gegensatz zum autor habe ich auch keine namen genannt
den zweiten teil deines posts versteh ich ehrlich gesagt nicht, schließen sich die beiden argumente denn gegenseitig aus?
nochmal zum mitschreiben:
ich finde es etwas seltsam, die ersten zwei stunden eines films fast komplett unbetrachtet zu lassen, stattdessen aber die letzten 15 minuten (im vergleich zur gesamtlänge der inhaltsangabe) extrem ausführlich zu beschreiben
streetpreacher 08.03.2006 | 17:10:28
ok, hab jetzt gesehen was du meintest
mit "gesamtem filminhalt" meinte ich halt die sachen, die man normalerweise nicht in reviews sehen will
streetpreacher 08.03.2006 | 17:10:28
ok, hab jetzt gesehen was du meintest
mit "gesamtem filminhalt" meinte ich halt die sachen, die man normalerweise nicht in reviews sehen will
stullenhannes 19.03.2006 | 20:15:45
Möchte auch gerne noch meinen Senf dazu geben. Bezugnehmen möchte ich natürlich auf die Filmkritik, jedoch mal nicht auf das Vorwegnehmen oder Zurückhalten filmischer Inhalte. Vielmehr möchte ich mich zu dem letzten Absatz der Kritik äußern. Sind es nicht die ungesagten Dinge, die den Film so groß machen. Ich meine, es bedarf keiner bewussten Ausseinandersetzung mit den Konventionen, dem gesellschaftlichen Hintergrung u.s.w.. Das zeigen uns doch genau diese fein gezeichneten Charaktere in dem, was sie nicht sagen, was nicht thematisiert wird. Genau so wenig, wie die Liebe als solche benannt wird, ebenso wenig wie der Schmerz der großartigen Alma wirklich in Worte gefasst wird.
Ich befürchte es wäre platt geworden, ein nervender moralischer Fingerzeig auf eine offensichtliche Problematik. Bestimmt versteckt in Gesten und nur wenigen Worten, aber doch aus gutem Grund.
stullenhannes 19.03.2006 | 20:15:45
Möchte auch gerne noch meinen Senf dazu geben. Bezugnehmen möchte ich natürlich auf die Filmkritik, jedoch mal nicht auf das Vorwegnehmen oder Zurückhalten filmischer Inhalte. Vielmehr möchte ich mich zu dem letzten Absatz der Kritik äußern. Sind es nicht die ungesagten Dinge, die den Film so groß machen. Ich meine, es bedarf keiner bewussten Ausseinandersetzung mit den Konventionen, dem gesellschaftlichen Hintergrung u.s.w.. Das zeigen uns doch genau diese fein gezeichneten Charaktere in dem, was sie nicht sagen, was nicht thematisiert wird. Genau so wenig, wie die Liebe als solche benannt wird, ebenso wenig wie der Schmerz der großartigen Alma wirklich in Worte gefasst wird.
Ich befürchte es wäre platt geworden, ein nervender moralischer Fingerzeig auf eine offensichtliche Problematik. Bestimmt versteckt in Gesten und nur wenigen Worten, aber doch aus gutem Grund.
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