Kekexili – Mountain Patrol

HK, CN 2004

24.10.2005, 16:01, Text: Martin Riemann, Martin Riemann

R: Chuan Lu; D: Duobuji, Xueying Zhao; 08.12.

Die Mountain Patrol, um die es in diesem Film geht, existiert wirklich und setzt sich aus einer Gruppe Freiwilliger zusammen, die mit militanten Mitteln und ohne jegliche staatliche Unterstützung das Abschlachten der tibetischen Antilope durch Wilderer verhindern wollen. In \"Kekexili\" findet die Verdichtung dieser Aufgabe in Form einer einzigen atemlosen Jagd, die ein Pekinger Journalist begleiten durfte, statt. Einer Jagd, die die Protagonisten mit äußerster Entschlossenheit und Rücksichtslosigkeit, vor allem sich selbst gegenüber, verfolgen. Damit kein Missverständnis aufkommt, es geht keinesfalls um reinen Tierschutz, sondern um die Erhaltung eines ganzen Universums, denn die Antilopen gehören zu der fragilen Lebenswelt der Tibeter, deren Weiterleben in einer zwar atemberaubend schönen, aber extrem unwirtlichen Landschaft von jedem Detail abhängt.

Als wäre der verbitterte Zwist zwischen den beiden Gruppen, die bei der Verfolgung ihrer Ziele auch vor extremer Gewalt nicht zurückschrecken, nicht genug, stellt sich ihnen noch ein weit mächtigerer Gegner in den Weg: die Natur. Neben Treibsand, unerträglicher Kälte und schneidendem Wind ist es auch der geringe Sauerstoffgehalt der Luft, der den Verfolgungsjagden in \"Kekexili\" ihre einzigartige Dramaturgie verleiht. Chuan Lu ist mit seinem zweiten Film eine beeindruckende Mischung aus Handwerk und filmischer Wahrhaftigkeit gelungen, die sich gekonnt an den klassischen Mechanismen des Westerns orientiert, um diese im letzten Drittel des Films vollkommen aufzulösen. Auffallend ist neben der anspruchsvollen Kinematografie (ein in vollkommener Dunkelheit gefilmter Sternenhimmel gehört zu einem der unvergleichlichen Momente des Films und ist schon allein den Eintrittpreis wert) vor allem der unglaublich fein herausgearbeitete Sound, der jeder Nuance der Naturaufnahmen gerecht wird und \"Kekexili\" nicht nur zu einem spannenden visuellen Erlebnis, sondern zu einem außergewöhnlichen Klangkunstwerk macht.



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aus Intro #133 (November 2005)
 
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