Tim Burton’s Corpse Bride (Hochzeit mit einer Leiche)

USA 2005

24.10.2005, 15:48, Text: Oliver Minck, Oliver Minck

R: Tim Burton, Mike Johnson; 03.11.

\"Tim Burton's Corpse Bride\" ist so ein Film, bei dem einfach alles stimmt. Und ein Beweis dafür, dass nicht zwangsweise Murks dabei herauskommen muss, wenn unglaublich viele Spezialisten unglaublich lange an einem unglaublich massenkompatiblen Projekt arbeiten. Die Puppen hatte Burton ja 1993 schon einmal in seinem \"Nightmare Before Christmas\" tanzen lassen. Und erneut setzt der Regisseur nicht primär auf digital designte Bilderwelten, sondern auf dreidimensionale, reale Sets. Ganz die alte Puppentrick-Schule, muss jede Bewegung, jede Gesichtsregung durch Einzelbildaufnahmen festgehalten werden, was für sich genommen ja schon mal eine ungeheuerliche Fleißarbeit darstellt.

Aber auch mit dem Team muss es klappen, schließlich werkeln viele Menschen gleichzeitig an ein und demselben Charakter. Doch Burton hat seine Crew im Griff: Ob Drehbuchautoren, Kameramann, Cutter oder Score-Komponist, auf viele seiner Mitarbeiter setzt das Mastermind schon seit Jahren. So sind Burtons Filme oftmals tatsächlich mehr als die Summe der einzelnen Teile.

Die Story von \"Corps Bride\" spielt im England des 19. Jahrhunderts und ist so simpel wie charmant: Der schmächtige Victor Van Dort soll mit Victoria Everglot, einem ihm bislang unbekannten Mädchen, verheiratet werden. Victors Eltern, neureiche Emporkömmlinge, versprechen sich dadurch den Glanz von Victorias adeliger Familienabstammung. Die Everglots sind hingegen völlig verarmt und haben es auf die Kohle der Van Dorts abgesehen. Tatsächlich finden die beiden Sprösslinge Gefallen aneinander. Doch als Victor im dunklen Wald für die Hochzeitszeremonie übt und seinen Ring an einen knochigen Ast steckt, wird er schlagartig ins Reich der Toten gezogen und findet sich wieder als Ehemann von Corpse Bride, einer blau angelaufenen Zombie-Braut, die schon seit langem sehnsüchtig auf den guten Victor gewartet zu haben scheint. Doch Victors Schrecken ist nur von kurzer Dauer. Im Reich der Toten geht es nämlich längst nicht so verknöchert zu wie in der Welt der Lebendigen. Die liebenswerten Skelette lassen es zu fetziger Charleston-Musik ordentlich krachen. Und irgendwann entwickelt auch Victor Gefühle für Corpse Bride.

Ob Burton mit Puppen oder mit Menschen aus Fleisch und Blut arbeitet - so einen großen Unterschied macht das am Ende gar nicht. Bei seinen fantasievollen Märchen handelt es sich schließlich immer um Hybride aus Realem und Künstlichem. Burton kann aus Menschen Puppen machen und vice versa. Die Figuren in \"Corpse Bride\" sind jedenfalls derart liebevoll in Szene gesetzt, dass man an ihrer Menschlichkeit keine Sekunde lang zweifelt. Da wird in Formen geschwelgt, dass es eine Schau ist. Es geht nicht um Andeutungen, sondern darum, den Charakter und vor allem die Physiognomie einer Figur lustvoll auf die Spitze zu treiben, mit Mut zu allen erforderlichen Unansehnlichkeiten. Wunderbar!



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aus Intro #133 (November 2005)
 
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