The L-Word Season 1

USA 2004

24.10.2005, 12:20, Text: Vina Yun, Vina Yun

R: Rose Troche u. a.; D: Jennifer Beals, Laurel Holloman, Mia Kirshner, Karina Lombard, Katherine Moenning u. a.; Sony Pictures Home Entertainment

\"Same sex, different city\", verkündet keck die Tagline zur DVD-Box. Tatsächlich sind die 14 Episoden (inklusive zweier Pilotfolgen) dieser US-amerikanischen Hochglanz-TV-Serie mit ihren (fast ausschließlich) lesbischen Protagonistinnen näher an \"Sex And The City\" dran als an \"Ellen\": schön, erfolgreich und sexy unter der kalifornischen Sonne. Da sehen selbst einfache Supermarkt-Kassiererinnen so stylish aus, als hätten sie gerade für die Vogue gemodelt. Und während Ellen noch einige Episoden lang mit ihrem Coming-out haderte, ist der lesbische Freundinnenkreis rund um Bette (Jennifer Beals of \"Flash Dance\"-Fame) und Tina (Laurel Holloman) bereits weitestgehend \"out of the closet\".

Die neue lesbische TV-Generation diskutiert lieber im schicken Jill-Sander-Outfit und Gucci-Schuhen über die praktische Umsetzung des lesbischen Kinderwunsches oder sinniert über den berüchtigten \"lesbischen Bettentod\" in langjährigen Beziehungen. Zugleich ist wohl noch nie so viel lesbischer Sex über den Bildschirm geflimmert - in den luxuriösen Apartments, im Swimmingpool und sogar im Frauenknast geht es deutlich zur Sache ... Ade Blümchensex! Dass dabei auch so manche männliche Hetero-Softporno-Fantasie bedient werden mag, erzürnte nicht wenige lesbische \"L-Word\"-Fans. Natürlich lassen die Formulierung queerer Repräsentationspolitiken und der ewige Kampf um Authentizität immer einige Fragen offen, insbesondere in Hollywood. Stone-Butches wird man hier vergeblich suchen - gerade mal Shane (Katherine Moenning), eine Kreuzung aus Schmollmund Alicia Silverstone und Rock-Chick Avril Lavigne und Darling #1 der \"L-Word\"-Fangemeinde, schafft es, ein bisschen androgynes Flair zu verbreiten. Nichtsdestotrotz ist das Bemühen der \"L-Word\"-MacherInnen, Themen wie \"Ethnic Diversity\" und damit eine sanfte Kritik an den üblichen schwul-lesbischen Repräsentationssystemen in die sonst recht stromlinienförmige Welt von \"The L-Word\" hineinzutragen (beispielhaft abzulesen an Bettes afroamerikanischem Background - trotzdem musste sie als eine der lesbischen Hauptcharaktere wohl wesentlich hellhäutiger sein als ihre heterosexuelle Serienschwester Kit a.k.a. Pam Grier) sowie die weniger bekannten Momente lesbischer Subkultur prominent zu platzieren (unwiderstehlich: Kelly Lynch singt als Drag King Ivan Acock Leonard Cohen), unverkennbar. Mit DrehbuchautorInnen wie Ariel Schrag, Angela Robinson (\"D.E.B.S.\") und Guinevere Turner sowie Rose Troche (\"Go Fish\") im RegisseurInnen-Team wurden zudem kreative Köpfe an Bord einer Mainstream-Produktion geholt, die zuvor eher in den Spezialistinnen-Ecken für Independent Lesbian Filmmaking bekannt waren. Zugegeben, beim Anblick der glamourösen Lipstick-Lesbians mit den Modelmaßen und den perfekt manikürten Fingernägeln mag die lesbische Revolution in weite Ferne rücken. Aber hey, bis dahin ist \"The L-Word\" truly good fun.



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