Andy Warhol / Flesh

Heat. Trash. Hoch und wieder runter

19.10.2005, 13:30, Text: Jan Kedves, Jan Kedves

Andy Warhol brauchte gar nicht mehr viel zu machen: Paul Morrissey castete, bediente die Kamera und führte Regie, er selbst musste nur noch seinen Namen draufschreiben. Die so als \"Andy Warhol's Flesh\", \"Andy Warhol's Trash\" und \"Andy Warhol's Heat\" legendär gewordenen Filme sorgten zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung für Entrüstung - und sind auch heute, mehr als 35 Jahre später, durchaus noch eine Herausforderung. Nicht etwa, weil in ihnen Heroin gespritzt wird und man die angeblich erste nichtpornografische Erektion der Filmgeschichte zu sehen bekommt, eher deswegen, weil sie - insbesondere \"Flesh\" und \"Trash\" - radikaler auf Merkmale des \"gut gemachten Films\" verzichteten, als es die \"Dogma\"-Filme später wollten oder konnten.

Morrissey ließ eine bunte Schar urbaner Borderliner bizarre, bisweilen als \"langweilig\" missverstandene Episoden improvisieren, die Dialoge wurden nachher in der Mitte abgeschnitten. Im Zentrum des Ganzen: der göttliche Joe Dallesandro. Egal, ob als Stricher, impotentes Heroin-Opfer oder vergessener Kinderstar: Er konnte nur so grandios unbeteiligt durch diese Filme driften, weil er in seinem makellosen, von Frauen und Männern gleichermaßen begehrten Körper bereits ein hübsches Zuhause gefunden hatte. Wie oft er in \"Flesh\", \"Trash\" und \"Heat\" seine Hose hochzieht und dann wieder - wie eine Puppe - ausgezogen bekommt, lässt sich kaum mitzählen.

Nun ist es nicht so, dass diese Filme nicht schon vorher auf DVD erhältlich gewesen wären. Doch die vor kurzem in England bei Tartan Video erschienene Triple-DVD-Box enthält neben frühen Experimental-Shorts von Paul Morrissey erstmals auch Audio-Kommentare des Regisseurs. Er habe, so erfährt man nun, immer eine Abneigung gegen Schauspielschüler gehabt und mit diesen Filmen zeigen wollen, was für ein bemitleidenswert bedeutungsloser Ort die Welt ist. Aha, denkt man sich da: Ein Ort, der dafür wenigstens schön anzuschauen ist.

In Deutschland ist das Boxset vorerst nur als Import erhältlich - was unverständlich ist: Immerhin liefen die Filme, daran erinnert sich Morrissey im Off genau, in Deutschland kommerziell am erfolgreichsten. In den größten Kinos. Wie zum Beweis hat er ein Foto hervorgekramt: Joe Dallesandro 1969 auf Premierentourstopp in München, vor einem Plakat für \"Flesh\" im Luitpold-Theater. Da fragt man sich: Was hatte Deutschland damals, was es heute nicht mehr hat?

Flesh / Trash / Heat
USA 1968 / 1970 / 1972
R: Paul Morrissey; D: Joe Dallesandro, Geraldine Smith, Holly Woodlawn, Jackie Curtis, Sylvia Miles;> www.tartanvideo.com




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