Donnie Darko Director’s Cut

USA 2001

14.10.2005, 14:00, Text: Michael Saager, Michael Saager

R: Richard Kelly; D: Jake Gyllenhaal, Maggie Gyllenhaal, Patrick Swayze; MC One


Richard Kellys Debüt erzählt nicht nur eine seltsame Geschichte, seine Rezeptionsgeschichte ist es auch. Sie geht so: Im Herbst 2001 startet “Donnie Darko” in den amerikanischen Kinos – ein Riesenflop. Möglicherweise liegt es am Starttermin kurz nach dem 11. September. Flugzeuge – im Film ist es eine Turbine –, die in Häuser sausen, wollen die Amerikaner nicht sehen. Wahrscheinlich aber kann das Publikum einfach nichts anfangen mit einer Geschichte, die sich nicht entscheiden mag zwischen Coming-of-age-Komödie, Satire auf den sonnenverbrannten Kleinbürgerlichkeitsmief der amerikanischen 80er und einer Mystery-Science-Fiction-Story zum Augenreiben, denn: die Verrätselung bleibt; der Film führt die mysteriösen Ereignisse um den verwirrten Highschool-Protagonisten Donnie Darko (kein junger Mann hat je so erotisch-verschmitzt gelächelt: Jake Gyllenhaal) gerade nicht an den Punkt einer emotional-kognitiv entlastenden Auflösung. Bevor Kelly seinen Film in die Kinos bekommt, muss er viele Klinken putzen, bis er Produzentin Drew Barrymore (im Film spielt sie eine ziemlich coole Lehrerin) von seinem Drehbuch überzeugen kann; und da es sonst niemand verfilmen will, macht er es eben selbst.
Heraus kommt ein – wie die meisten Intro-Leser wissen werden – kleines Wunder von Independent-Film. Ein Universum aus Lügen, niedlichen Einfällen, Doppelmoral und unfreiwilligen Zeitreisen bis kurz vors Ende der Welt. Gleichzeitig malt der Film ein Bild der ersten Liebe (die allerdings etwas blass um die Nase bleibt). Nahezu nahtlos verbindet “Donnie Darko” seine Themen und Genres und entwickelt einen für Hollywood-Verhältnisse fast schon unverschämt behäbigen Groove. Doch erst im Nachhinein erweist sich der Film als Glücksgriff. Vor allem in Großbritannien begreift man sein Potenzial, und so macht er dann doch noch “Karriere” – ausschließlich über das Medium DVD, was auch heute noch nicht selbstverständlich ist. Inzwischen ist “Donnie Darko” Produkt einer geradezu kultischen Verehrung, was wiederum ein Argument für die Studiobosse gewesen sein dürfte, nun den “Director’s Cut” herauszubringen. Zwar dauert der Film circa 20 Minuten länger, doch wirklich radikale Veränderungen gibt es nicht. Die Soundabmischung ist intensiver, es gibt ein paar zusätzliche Bildeffekte und einige Dialogszenen mehr, was jedoch eine gewisse Länge in die alte Kurzweiligkeit bringt; ferner wurde die Musikauswahl leicht modifiziert. Die signifikanteste Änderung ist sicherlich die Einblendung von Textteilen des Buches “Philosophy Of Time Travel”: Eine Neuerung, die in ihrer Wirkung als ambivalent beschrieben werden kann, da sie einen Weg heraus aus der verwirrenden Mehrdeutigkeit des Films andeutet. Wie gesagt, nur andeutet. Doch wenn es stimmen sollte, dass die eigentliche Stärke von “Donnie Darko” gerade in der Unauflösbarkeit seiner Geschichte besteht, dann ist jedes bisschen mehr an Auflösung im Grunde zu viel. Dafür kann man nun teilhaben an den ursprünglichen Vorstellungen des Regisseurs. Das konnte man vorher nicht.



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aus Intro #132 (Oktober 2005)
 
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