Fremde Haut

D/A 2005

22.09.2005, 11:06, Text: Sonja Eismann, Sonja Eismann

R: Angelina Maccarone; D: Jasmin Tabatabai, Simon Schwarz, Anneke Kim Sarnau, Georg Friedrich; 20.10. Die Teheraner Dolmetscherin Fariba (Jasmin Tabatabai) muss aus dem Iran nach Deutschland fliehen, weil sie eine lesbische Beziehung hat. Nachdem ihr dort kein Asyl gewährt wird, schlüpft sie in die Identität eines politisch verfolgten Landsmannes, der sich im Übergangslager aus Verzweiflung über die vermeintlich von ihm verschuldete Hinrichtung seines Bruders das Leben genommen hat. Sie wird in ein voll gestopftes Heim in der schwäbischen Provinz verfrachtet, wo sie, immer noch als Mann verkleidet, für schmales Geld illegal in einer Kohl- und Sauerkrautfabrik anheuert.

Dort lernt sie die allein erziehende Mutter Anne (Anneke Kim Sarnau) kennen, die aus dem Provinzmief ausbrechen möchte und in dem intellektuellen, stillen Iraner ihr Ticket zu einer weniger vorformatierten und kleinen Welt sieht.

Die Prämisse des Films, die Figur der Migrantin nicht als bäuerische Dritt-Welt-Bittstellerin zu zeichnen, sondern als eine den dumpf vor sich hin ackernden Schwaben bildungsmäßig weit überlegene, kultivierte Städterin, ist ein ambitionierter Kniff - die allerdings auch in der Paarung mit der Frage nach sexueller Identität, gelernten Geschlechterrollen und gesellschaftlicher Tabuisierung keinen ganzen Film trägt. Dass anstatt der Asylbewerberin die Einheimischen hier als primitive Exoten porträtiert werden, ist ein lobenswerter Perspektivwechsel, der so bahnbrechend innovativ allerdings natürlich nicht ist und mangels überzeugenden Lokalkolorits auch an den meisten Stellen schablonenhaft bleibt. Wie auch die darstellerische Leistung der meisten AkteurInnen, die die engstirnigen schwäbischen FabrikarbeiterInnen wenig überzeugend mimen, sondern mit flachem TV-Deutsch ihre recht eindimensional angelegten Charaktere Fernsehspiel-haft overacten. Dass die Frage nach der sexuellen Inklination bei der einen Frau zur Lebensbedrohung gereicht, bei der anderen willkürlich wechselbar scheint, ist eine weitere Unschlüssigkeit. Trotz aller Konstruiertheit, die solchen lobenswerten, politisch engagierten Projekten leider oft zu Eigen ist, liefert \"Fremde Haut\" mit seinem Katzelmacher-Motiv mit Queer-Twist immerhin eine emotional aufgeladene Erzählung über zwei Frauen, die davon träumen, das Joch ihrer regressiven Umgebung abzuschütteln.



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