A History Of Violence

USA 2005

22.09.2005, 11:02, Text: Martin Riemann, Martin Riemann

R: David Cronenberg; D: Viggo Mortensen, Maria Bello, William Hurt, Ed Harris, Ashton Holmes; 13.10.

Als Tom Stall (Viggo Mortensen), vorbildlicher Bürger einer amerikanischen Kleinstadt, zwei bizarre Raubmörder, die sein Diner amokartig überfallen wollen, zur Strecke bringt, ist er zunächst der Held des Tages. Seine Familie und das ganze Land sind stolz auf den Retter mehrerer Menschenleben. Leider zieht sein beherztes (und brutales) Durchgreifen auch die Aufmerksamkeit des zwielichtigen Mr. Fogaty (Ed Harris) auf sich, der den liebevollen Ehemann zu kennen glaubt und ihn als einen kaltblütigen Mörder identifiziert. Die immer bedrohlicheren Begegnungen mit dem unliebsamen Besucher zwingen Tom schließlich zu Handlungen, die seine Familie an seiner Identität zweifeln lassen.

Schon in der meisterlich inszenierten Ouvertüre von David Cronenbergs neuem Film, in der zwei Mörder auf beiläufige Weise ihrem grausamen Geschäft nachgehen, macht der kanadische Erfinder des \"Body Horror\" klar, dass das zentrale Thema seines Films nicht eine erneute Auseinandersetzung mit dem Für und Wider von Gewalt ist, sondern eher eine nüchterne Darstellung ihrer Wirkung auf das alltägliche Leben. Dafür erzählt Cronenberg seine Story derart geradlinig ohne Überraschungen oder Plottwists, dass man bei einer Nacherzählung glauben könnte, es mit einem leicht pervertierten Vertreter des klassischen \"Notwehr-Kinos\" zu tun zu haben: Ein ordentlicher Bürger wird von einer böswilligen Macht so lange bedroht, bis er sich schließlich gewalttätiger Mittel bedienen muss, um sich und die Seinen zu schützen. Dieses beliebte, in unzähligen amerikanischen Filmen verwendete Muster ließ in den meisten Fällen die Frage offen, ob und wie ein Normalbürger eigentlich in der Lage ist, sich erfolgreich in die Mechanismen von Mord und Totschlag einzufügen.

In \"AHOV\" ist es gerade diese Problematik, die die Hauptdramaturgie des Films ausmacht. Jemand, der wie Tom Stall in der Lage ist, so überlegen in der direkten Konfrontation mit Berufsverbrechern zu bestehen, muss schon vorher zu dieser Handlungsweise Kontakt gehabt haben. Gewalt muss gelernt sein wie jedes andere Handwerk auch. Es ist vor allem Stalls Familie, der sich diese Frage aufdrängt und der die Tatsache, dass Tom ein Soziopath sein könnte, immer schmerzlicher bewusst wird.

Glücklicherweise gibt Cronenberg dieser Familie die meiste Zeit des Films. Die intensive Inszenierung von Normalität verleiht den gezeigten Verbrechen eine frische, spannende Ebene, und durch ihre Spiegelung in der Sexualität der Eheleute wird ihre Ungeheuerlichkeit wirklich deutlich. Die Darstellung der Gewalt ist, wie man bei Cronenberg erwarten kann, sehr detailliert und grafisch, wobei auffallend viel Zeit für die fast dokumentarischen Aufnahmen der Leichen verwendet wird. Die körperlichen Auseinandersetzungen sind kunstvoll und prägnant in Szene gesetzt und stellen in ihrer realistischen Härte mühelos die Exzesse von Filmen wie \"Sin City\" in den Schatten. \"AHOV\" fügt sich also trotz der klassisch anmutenden Verpackung dieses großartig besetzten Films völlig mühelos in Cronenbergs Schaffen ein, dem nach dem finanziellen Desaster von \"Spider\" ein Mainstream-Hit wirklich zu gönnen ist.



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