
Brothers Grimm
GB/CZ 2005
22.09.2005, 10:54, Text:
Oliver Minck,
Oliver Minck
R: Terry Gilliam; D: Matt Damon, Heath Ledger, Jonathan Price; 06.10.
Dies vorweg: \"Brothers Grimm\" ist kein Biopic. Der prominente Name der Märchenbrüder erfüllt hier eher eine Art Aufreißerfunktion. Nepp muss trotzdem nicht befürchtet werden. Denn Terry Gilliam erzählt in seinem neuen Bilderspektakel zwar nicht vom Leben der Grimms, wie es wirklich war, dennoch ist der Plot (bzw. der des durch Skripts zu \"The Ring\" oder \"Scream 3\" gruselerprobten Drehbuchautoren Ehren Kruger) gespickt mit Zitaten aus den berühmtesten Grimm'schen Märchen. Überhaupt darf man sich freuen, dass endlich mal wieder ein vollendetes Gilliam-Werk in die Kinos kommt.
In Gilliams Geschichtsauslegung handelt es sich bei den Gebrüdern also um schlitzohrige Hallodris, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch die von Frankreich besetzte deutsche Provinz ziehen und sich als Geisteraustreiber verdingen. Schamlos nutzen sie den Aberglauben der Landbevölkerung aus, indem sie den Spuk eigenhändig inszenieren. Die gefaketen Dämonen werden heroisch zur Strecke gebracht, und nach vollbrachter Arbeit lässt man sich feiern wie Rockstars. Im Dörfchen Marbaden findet der Spaß ein jähes Ende: Zehn kleine Mädchen sind dort im angrenzenden tiefen Wald verschwunden. Auch wenn es Will und Jake (so die anglo-amerikanisierten Vornamen der Brüder) erst nicht wahrhaben wollen: Über Marbaden liegt tatsächlich ein Fluch. Eine gute Chance für die Grimms, sich doch noch mal als wahrhafte Helden zu erproben.
Es war zu erwarten, dass Gilliam sich nicht lumpen lassen würde. Da dem Regisseur kein echter Wald gruselig genug und kein tschechisches Dorf altertümlich und verwunschen genug erschien, baute er das Dorf einfach selbst und ließ den Wald auf einer Studiobühne erblühen. Und verdammt noch mal, das Ergebnis wirkt zum Teil echter als echt: das Spiel von Licht und Schatten, der schlammige Dreck, der das ganze Dorf mit einer Patina zu überziehen scheint - vor allem Produktionsdesigner Guy Dyas hat hervorragende Arbeit geleistet.
Mit Gilliams surrealen Meisterwerken \"Brazil\" (1985) und \"12 Monkeys\" (1995) kann es \"Brothers Grimm\" in puncto visionärer Strahlkraft natürlich nicht aufnehmen, dafür dürfte die Zielgruppe hier deutlich größer ausfallen. Der Film jongliert zwar mit düsteren Elementen und hat auch den einen oder anderen Schockeffekt in petto, kommt aber alles in allem äußerst leichtfüßig daher. Matt Damon und Heath Ledger stolpern vielleicht ein wenig arg unscheinbar durch das Geschehen, andererseits legt gerade Damon eine Unverkrampftheit an den Tag, die man ihm eigentlich nicht zugetraut hätte.
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